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Mittwoch, 10. Februar 2010

Leichenblässe

Nach seinem eher laffen Debut hatte Beckett´s letztes Buch mir ja Lust auf mehr gemacht - et voilá - bekomme ich Leichenblässe mit den wärmsten Empfehlungen unter den Weihnachtsbaum gelegt.
Aber ach. Wir haben versucht, es vorzulesen. Unmöglich. Das Vorlesen enthüllt schlechten Schreibstil brutal.

Der Held ist ein solcher Langeweiler. Immer und immer und immer und immer und immer wieder überlegt er, ob er sich als Brite nicht aus den amerikanischen Ermittlungen raushalten soll, ob er seinem Gastgeber damit nicht vielleicht Schwierigkeiten bereitet (obwohl der des Helden Anwesenheit explizit wünscht) usw. Das ist ja soooo rücksichtsvoll. Überhaupt ist er in j e d e r Beziehung soooo korrekt. Ein leichenblasser Saubermann.

Ist der Autor selbst so ein umständlicher Typ oder schreibt er streng zielgruppenorientiert? Und wie darf man sich eine solche Zielgruppe vorstellen? Weisser, weiblicher, angelsächsischer Mittelstand in der Vorstadt, der vom idealen Schwiegersohn in gesellschaftlich gehobener Position (Arzt, Wissenschaftler) in zartfühlender Art und Weise durch die schrecklichsten, schmutzigsten Untiefen des psychopathischen Mordens entführt wird, wobei er unter schwierigsten Umständen auch noch seine eigenen Traumata (familiäre Verluste und Opfererfahrung) aufarbeitet und die lebensgeschichtlichen Motive des Serienmörders psychologisch sauber ausgedeutet werden? Das ist zu dick aufgetragen, Mr.Beckett.

Nervig finde ich auch, dass er ausgiebig auf seine beiden ersten Bücher Bezug nimmt. Hast Du nix gelesen, Du nix verstehn. Das ist doch schlechter Stil, oder?

Aufbau der Geschichte Schema F (siehe Buch 1 und Buch 2) - die große Wurmkur im Leichenschauhaus.

Samstag, 27. Juni 2009

Kalte Asche

Als Kind habe ich immer wieder das Wandbild in der Küche abgemalt. Die gleichen Pferde in der gleichen Reihenfolge unter dem gleichen Himmel. Einige Zeichnungen sind mir besonders gelungen, andere sahen irgendwie verhunzt aus.
So ist es auch mit der "Chemie des Todes" und "Kalte Asche".Im Prinzip zweimal exakt das gleiche Buch. Setting, Ablauf, Psychologie. Es hätte eigentlich stinklangweilig sein müssen und ich habe oft gestaunt, wie man es als Autor wagen kann, dermaßen exakt von sich selbst abzuschreiben. Das Erstaunliche ist jedoch, dass ich Kalte Asche trotzdem sehr spannend fand. Ich habe mich gut unterhalten und es richtig gern gelesen.
Es sind eben doch die subtilen Kleinigkeiten, die ein Buch besser oder schlechter machen, auch wenn der Plot ähnlich ist. Beckett ist zwar kein John le Carré, aber ein solider britischer Krimischreiber! Ich habe sogar Lust auf weitere seiner Bücher bekommen...

Dienstag, 21. Oktober 2008

Die Chemie des Todes

Die tiefste metaphysische Gewissheit meines Vaters war, dass das Leben nach dem Tode sich einzig und allein in den Würmern abspiele, die einem im Grab in die Augen hinein und aus den Ohren wieder hinauskriechen. Das hat ihn so beschäftigt, dass er unbedingt verbrannt werden wollte.
Scheinbar auch Simon Beckett´s Thema. Im Buch habe ich es vermutet und im Nachwort bestätigt er selbst, dass ein Besuch auf der Bodyfarm des FBI in Tennessee den Anstoß für diesen Krimi gab.
Wer verwest wann wie, welche Viecher wandern wo rein und wo wieder raus. Schade nur, dass er kein Sachbuch draus gemacht hat, sondern sich für einen Thriller entschied. Abgesehen von besagten Schilderungen fand ich nämlich fast alles schlecht an diesem Buch.
Es gibt so viele Maden, dass wir mehrere Leichen brauchen. Also muss ein Serienmörder her. Unheimlich soll es sein, also ab in eine neblige englische Sumpflandschaft. Spezialkenntnisse sind gefragt, also muss die Hauptfigur Arzt sein. Besser, die Leichen sind verstümmelt, also interessiert ja bestimmt, wie es dazu kam. Drum wird man Zeuge, wie der Mörder drei Frauen im Verlies mit dem Messer traktiert und by the way psychisch quält. Spannender wird es, wenn man die Opfer kennt, also muss der Held eine nette Frau finden, die das letzte Opfer wird. Dann ist der Ich-Erzähler auch noch ein unglaublich lahmer Saubermann ohne wirkliche Tiefe und die rückblickende Ich-Erzählung nervt: "Damals wusste ich noch nicht, dass der nächste Tag total spannend werden würde." Das sind die Schwächen des Buches: fühlbar konstruiert, vorhersehbar bis hin zum Mörder, stilistisch flach und schwache Personen.
Die einzige Stärke reisst die Sache leider auch nicht mehr raus, nämlich die Beschreibung, wie die Gruppenstimmung der Bewohner in dem abgelegenen Dorf kippt, als ein Mord nach dem anderen geschieht. Hysterie, Lynchstimmung, Angriff, Rückzug, Verleumdung. Besonders die Gewinnler dieser Situation haben mir die Zornesader schwellen lassen. Stark!
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