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Samstag, 15. Mai 2010

Solaris

Ich finde, dass Lem die Gattung Science Fiction nicht "neu abgesteckt" und ihr auch keine "literarischen Hochflächen auf dem Niveau des philosophischen Traktates erobert" hat - jedenfalls nicht mit Solaris.

Ein Planet ist von einer schleimigen Substanz bedeckt, an der die Menschheit schon Jahrzehnte lang herumforscht. Es ist zu klären, ob sie intelligenzbegabt ist und man ggf. mit ihr kommunizieren kann. Der Held kommt in die Forschungsstation auf Solaris. Dort leiden alle unter einer Art von Halluzination, der auch er bald unterliegt. Alle sind misstrauisch, jeder macht seine eigene kleine Privathölle durch, da die Halluzinationen biographisch sehr relevant sind. Unser Held begegnet seiner Ex-Geliebten, deren Tod er verschuldet hat. Obwohl er weiß, dass ihr keine Realität zukommt verliebt er sich neu und auch sie verliebt sich neu in ihn. Als sie merkt, dass sie nicht real ist, versucht sie sich umzubringen, was aber nicht gelingt, da sie ja ein Produkt der schleimigen Masse ist usw.
Ja, es werden möglicherweise interessante Fragen über das Bewusstsein aufgeworfen. Ändert aber nichts daran, dass das Buch öde ist. Langatmig  quält uns Lem mit seitenlangen Beschreibungen des merkwürdig geformten Schleimozeans und mit merkwürdigen Spekulationen über die Entstehung von Ausstülpungen desselben. Was soll das denn?

Donnerstag, 4. Februar 2010

The Robots of Dawn

Dritter Teil der Trilogie

The Naked Sun

Zweites Buch der Trilogie

The Caves of Steel

Das ist ja auch mal eine Erfahrung: Angst zu haben, ein Buch zu besprechen, weil es einem so dermaßen gut gefallen hat, dass man befürchtet, ihm nicht gerecht werden zu können.

Die "Höhlen aus Stahl" sind nur 200 Seiten lang, aber für viele das beste Buch, das Asimov je geschrieben hat. Das hat viele Gründe:

1. Er fasst sich kurz. Gute Kurzgeschichten sind besser als Novellen sind besser als Romane

2. Man befindet sich auf einem Schlag in einem ganzen Asimov-Universum. Nicht die üblichen 50 - 100 Jahre in der Zukunft, sondern mehrere Tausend Jahre. Die Menschheit hat die gesamte Galaxis besiedelt. Die Erde ist einfach nur ein Planet unter vielen. Nach den Standards der Zeit eher rückständig und von den anderen wie ein bedauernswertes Entwicklungsland behandelt.

3. Ein archetypisches Science Fiction Szenario: die Menschheit kann die Erdoberfläche nicht mehr bewohnen und hat sich in riesige von der Außenwelt abgeschlossene Megastädte zurückgezogen. Ihr Leben findet in übervölkerter, volltechnisierter Umgebung statt. Ein toll beschriebenes Setting. (Die anderen Planeten sind sauberer, naturnäher, bevölkerungsreguliert und wohlhabender.)

4. Die Hauptperson (Elijah Baley, Polizeiermittler) ist eine differenzierte Figur mit eigener Geschichte, Emotionen, Familie, vielen Jahresringen und etlichen schwachen Seiten. Um einen Mordfall an einem "Außenweltler" aufzuklären, wird ihm von der wenig wohlgesonnenen galaktischen Regierung ein androider Roboter zur Seite gestellt. Der wird von den (von Asimov ersonnenen) drei Gesetzen der Robotik beherrscht. Natürlich ist die Maschine stärker, schneller, logischer, sieht besser aus, hat ein besseres Gedächtnis usw. Trotz der offensichtlichen Unterlegenheit sind es die genuin menschlichen, "weichen" Eigenschaften (z.B. Intuition, Bluff), die letztlich dem Menschen die Lösung des Falls ermöglichen. Er erweist sich als kluger, mutiger Kopf mit Prinzipien - so eine Art Peter Falk in der Rolle des Columbo.

5. Der Roboter (R. Daneel) ist auf seine roboterhafte Art übrigens auch sehr sympathisch. Er entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer von den Fans meistgeliebten Asimov-Figur, die Elijah Baley um Jahrhunderte über"lebt".

Als ich so laß, fielen mir immer wieder "Filmzitate" aus anderen Science Fiction ein, die es damals aber noch gar nicht gab. In Wirklichkeit wird also immer Asimov zitiert.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Lucky Starr

Mit 130 Seiten kommt man natürlich nicht lange hin und darum mussten alle Fortsetzungen von Space Ranger her. Der Sammelband Lucky Starr vereint sechs Weltraumabenteuer in einem Band. Lucky Starr und sein Freund besuchen nacheinander Mars, den Asteroidengürtel, Venus, Merkur, Jupiter und Saturn, wo sie krachende, phantasievolle Abenteuer erleben.
Doch Halt! Die Beschreibungen der Planeten mit allem Drum und Dran und die überraschenden Lösungen sind zwar wirklich erfrischend mit einer großen Portion Kindheitsspaß. Aber sehr schnell wird deutlich, dass Lucky Starr ein eindimensionaler Charakter ist, der ausschließlich gute Eigenschaften besitzt - und diese vollzählig und im Extrem ausgeprägt. Immer dabei sein kleiner, hässlicher, dummer (aber treuer, mutiger, lustiger) Freund, der Lucky Starr verehrt und zum Dank von diesem ständig belehrt wird. Die pubertäre Heldenphantasie eines sehr jungen Autors.

Lucky und sein Freund erinnern sehr an Karl Mays Helden und ihre Alter Egos. Durch diese Charaktere ähneln sich die Geschichten trotz des bunten Vordergrundkollorits letztlich wie ein Ei dem anderen. Gut, dass sich Asimov schnell weiterentwickelt hat...

Space Ranger

Ha, was für ein Spaß. Ein speckiges Second-Hand-Büchlein aus einem Waliser Antiquariat. 50 Pence, 130 Seiten, Erstauflage 1952. Mein erster Asimov.

Der Stil ist so herzerfrischend naiv und einfach, dass ich mich in mein dreizehntes Lebensjahr zurückversetzt fühle. Ich sitze mit einer Packung Butterkeksen und einem großen Glas Milch zuhause. Die Schule ist für diese Woche zu Ende. Vor mir ein großes Abenteuerwochenende mit Buch!

Man merkt schon auf den ersten Seiten, dass die Geschichte älter ist als alles, was man in Science Fiction gelesen hat. Hier hat ein Klassiker frühe Fundamente gelegt, auf denen alle Nachgeborenen aufbauen werden.

Genau genommen, wird Asimov schon bald selbst hierauf aufbauen, denn es ist ein Frühwerk. Die späteren Bücher sind kunstvoller und haben mehr Tiefgang. Aber hach, was soll´s. Man weiß, hier hat jemand Neuland betreten - hier geht es erst mal richtig zur Sache.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Avatar




... im übrigen finde ich das romantisierte, verkitschte Bild des edlen Wilden in Avatar primitiv. Für den aktuellen Web 2.0 Bezug haben die Naturmenschen alle einen Haarzopf mit Tentakeln am Ende. Dieser dient als Schnittstelle zu anderen Wesen und Bäumen. Bei Berührung verflechten sich die Tentakelschnittstellen miteinander wie bei einem freundlichen Händedruck. So loggen sich die Wilden in die große biologische Matrix ein. Außerdem bilden die Edlen bei Bedarf ein großes, im Takt schunkelndes, betendes, summendes Kollektiv, beispielsweise wenn sie gemeinsame Heilungsriten durchführen. Klischeehaft.

Postitiv könnte man anmerken, dass man hier neuen, jungen Generationen eine Idee von heilem Naturbezug und der Stammesgeschichte der Menschheit so in zeitgenössischem Gewand nahebringt, dass sie emotional berührt werden. Das ist doch toll. Bei mir hat das noch Winnetou geleistet. Der war mir damals heilig und ist bei Licht besehen auch grottenschlecht.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Die Thrawn Trilogie

Peter hat mir drei Bücher von Timothy Zahn mitgebracht, die ich unbedingt mal lesen müsse.
# Erben des Imperiums
# Die dunkle Seite der Macht
# Das letzte Kommando

Es handelt sich um die drei letzten, nicht verfilmten Star Wars Folgen, mit Luke Skywalker, Han Solo, Prinzessin Leia usw., in denen erzählt wird, wie es nach der Schlacht um Endor und der Vernichtung des Imperators weitergeht.

Interessanterweise nennt man die Bücher die "Thrawn-Trilogie", denn der eigentliche Star ist ganz zurecht der imperiale Erzschurke und geniale Stratege Großadmiral Thrawn. Als ich nach ca. 20 Seiten merkte, dass ich die Trilogie vor 15 Jahren schon mal gelesen habe, hab ich sie nicht etwa zur Seite gelegt, sondern war glücklich, sie wiedergefunden zu haben. Ich werd mir die Bücher bestellen. Manches möchte man einfach zuhause stehen haben, um es immer wieder zu lesen.

Dienstag, 21. April 2009

Der elektrische Mönch

Absolut wirres Machwerk. Hingestümperter Mist! Inkohärenter Scheiß.

Ich habe bis hinten durchgehalten, weil "Per Anhalter durch die Galaxis" zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört, aus denen ich sogar zitieren kann. Aber Das? Grauenhaft.

Das Buch ist ein Sammelsurium von Einzelideen, Skizzen und ja -witzigen Passagen. Aber die Spannungsbögen stimmen nicht. Es sind zu viele lose Enden, die hinten größtenteils auch zusammengedroschen werden. Ein Aha-Erlebnis ist es aber nicht mehr - eher ein erlöstes "endlich fertig". Adams spezieller Schreibstil wird überstrapaziert - er hängt einem nach kurzem zum Hals raus.

Douglas Adams wollte ein neues Genre erfinden: ein Geister-Horror-Wer-ist-der-Täter-Zeitmaschinen-Romanzen-Komödien-Musical-Epos. Versuch gescheitert. Bitte auch nicht den "Langen dunklen Fünf Uhr Tee der Seele" lesen.