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Sonntag, 12. Oktober 2008

Der untröstliche Witwer von Montparnasse

Ja - trotz eines neuen Hauptermittlers ein Buch voller Wiedererkennungswert. Der gleiche Ermittlungstypus. Die drei Junghistoriker mit von der Partie und weitere Konstanten entdeckt: viele (nur auf den ersten Blick zufällige) Opfer, ein Täter, der einem ganz bestimmten Muster folgt, dass mit Hilfe historischer, literarischer Kenntnisse und sehr viel Intuition entziffert wird. Und wieder wird mit Urängsten gespielt: nach den Wölfen und der Pest ist es diesmal ein Scherenmörder - tschik... Und wieder eine lebensgeschichtlich erworbene Pathologie. Wieder die kleinen Leute von nebenan. Hinreißend auch wieder die lakonische, einfache Sprache der Dialoge. Ganz besonders toll ist diesmal der Minderbegabte beschrieben, den der Täter in eine Sündenbockpostion manövriert, der aber von den Hauptpersonen aus dem Verkehr gezogen und geschützt wird. Bis zum Schluss äußerst spannend und dennoch ein Gute-Laune-Buch. Die Presse spricht nicht umsonst von einer "Magie Vargas".

Samstag, 11. Oktober 2008

Fliehe weit und schnell

Meine Sorge aus dem letzten Vargas, dass Kommissar Adamsberg für weniger gute Geschichten stehen könnte, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Mein dritter Vargas und schon wieder neue Personen und Milieus. Nicht die WG der drei arbeitslosen Jungakademiker, nicht die französiche Provinz, sondern Adamsberg in Paris. Dennoch fallen mir erste Konstanten auf:

Vargas beschreibt immer Nachbarschaftsmilieus. Einfache Leute, ein bischen dickköpfig, aber durchweg liebenswert. Die Ermittler sind intuitive, visuelle Typen, rechtshirnig. Sie begeben sich vor Ort, sammeln Eindrücke, "lassen die Dinge sich entwickeln" und wenn die Situation reif ist, setzt ihr Hirn alles zusammen und die Lösung steigt an die Oberfläche. Sie hat einen starken Hang zu psychologischen Erklärungen. Motive ergeben sich gerne aus der Familiengeschichte des Täters. Sehr spannend! Gänsehaut!

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Bei Einbruch der Nacht

Mein erstes Vargas-Buch hatte mir ja Lust auf mehr gemacht - und siehe - Fred(erique) hat bereits eine ganze Menge Krimis geschrieben; sie ist bekannt und vielfach geehrt. Solche Entdeckungen lob ich mir. Also her mit dem nächsten Buch!

Verblüffend - es treten völlig andere Personen an einem ganz anderen Ort auf - französische Seealpen - tiefste Provinz. Seit wann gehen Krimiautoren hin, werfen ihre liebvoll gestalteten Hauptpersonen über Bord und erschaffen von Buch zu Buch alles neu? Liegt wohl dran, dass Vargas einfach viele Ideen hat. Gut gelungen! Das zweite Buch gefällt mir (zunächst) sogar besser als das erste.

Etwa ab der Mitte des Buches wird die Verfolgung eines von Süd nach Nord durchs Land wandernden Killers leider von Kommissar Adamsberg übernommen, die bisherigen Hauptpersonen werden an den Rand gedrängt. Das ist schade und verändert Stil, Stimmung und Tempo sehr. Mittlerweile ist mir aufgefallen, dass Adamsberg in mehreren Krimis auftritt, was mich für die weitere Vargas-Krimis mit leichter Sorge erfüllt

Dienstag, 7. Oktober 2008

Die schöne Diva von St. Jacques

Bei Krimis geht es mir eigentlich nie um die kriminalistische Auflösung, sondern die Beschreibung von Charakteren, Beziehungen, Stimmungen und Milieus. Hier hat die Französin Fred(erique) Vargas echt was zu bieten. Sie fährt liebenswert skurile Typen auf und schreibt einen heiteren, beschwingte Stil. Ich habe mich köstlich amüsiert. Die Auflösung fand ich fast störend. Eine Pflichtübung - siehe oben.

Plot: Drei arbeitslose Jungakademiker - ihres Zeichens Historiker mit unterschiedlichen Schwerpunkten - ziehen aus Geldnot in ein recht abgewracktes Haus. Einer bringt noch seinen Onkel - einen 68jährigen, vom Dienst suspendierten Kommissar mit.

Es entwickelt sich ein lebhaftes nachbarschaftliches Beziehungsgeflecht, in dem (natürlich) auch ein Mord geschieht (geschehen muss) und man leicht chaotisch der Lösung entgegenschlingert. Die Leistung des Ex-Bullen besteht darin, voreilige, vordergründige Schlüsse der eingeschalteten Polizei zu verhindern um den Dingen Raum zu geben sich zu entwickeln. Unterhaltsamer gute Laune Krimi - mehr davon!