Posts mit dem Label Abenteuer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Abenteuer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 20. November 2011

Cook

Wie hat es Tony Horwitz geschafft, 18 Monate auf den Spuren von Captain Cook kreuz und quer durch die Welt zu ziehen und sich so ausgiebig umzusehen? Wer ist Tony Horwitz?

Journalist. Hat viele Jahre für das Wall Street Journal als Auslandskorrespondent von fast allen Kontinenten berichtet und 1995 den Pulitzer Preis für die beste Inlands-Berichterstattung erhalten. Seitdem hat er ausgesorgt, lebt mit der Familie auf Martha´s Vineyard und ist freischaffender Reiseschriftsteller geworden.

Das Buch ist keine Cook-Biographie und keine historische Darstellung, sondern das, was man von einem Reiseschriftsteller erwarten darf: ein Bericht über Horwitz´ eigene Reise zu all den Plätzen, an denen Cook gewesen ist. England, Tonga, Alaska, Neuseeland, Hawai, Kamtschatka, Tahiti, Australien. Immer nimmt er einen Kumpel mit. Das ganze ist locker und humorvoll erzählt - im Stil so ähnlich wie Bill Bryson - inhaltlich eine Mischung aus Picknick mit Bären und Down Under.

Horwitz will ein Gefühl dafür bekommen, wie es damals war. Da gibt es doch diesen Originalnachbau der Endeavour, auf der man mitsegeln kann. Also nichts wie drauf. Und nach diesem Auftakt jeden historischen Ort persönlich in Augenschein nehmen. Rumlaufen, mit Leuten sprechen, vor Ort Cooks Logbücher lesen, nachspüren, die Gegenwart gegen die Vergangenheit halten. Toll. Gut gemacht.

Sympathischer Kerl. Hat noch einige andere interessante Bücher geschrieben.

Dienstag, 15. November 2011

Patriot Games

Beim Lesen dieses Buchs hat mich seit langem mal wieder einmal die Lust überfallen, eine Besprechung zu schreiben. Mir ist dabei so viel durch den Kopf gegangen. Und was stelle ich auf einmal fest? Ich habe schon einmal ein Buch von Tom Clancy besprochen, und darin schon alles Negative gesagt. Ist zwei Jahre her. Ich konnte mich überhaupt nicht erinnern. Umso erstaunter war ich, dass ich erneut ein Werk als "N24-Buch" betitelt habe.

Na, dann kann ich ja gleich zu den sonstigen Beobachtungen übergehen. Clancy´s Hauptfigur Jack Ryan gehört in die Reihe der absolut guten Kerle wie Donna Leon´s Commissario Brunetti oder Elisabeth Georges Inspector Lynley. Genau wie diese ist er kein besonders aufsehenerregender Held, sondern einfach nur der good guy von nebenan. Clancy schafft es aber nicht, ihm einen etwas tieferen Charakter zu geben. Sein Privatleben ist irgendwie standardisiert. Er sagt, was man so sagen muss, und tut was man so tun muss. Ein politisch hyperkorrekter Saubermann. So viel steht fest: das Buch lebt nicht vom Hauptcharakter und dementsprechend werden die bad guys bei Clancy auch nie  durch individuelle Leistungen wie Spürsinn (Sherlock Holmes), Hartnäckigkeit (John Rebus) oder Intuition (Adamsberg) zur Strecke gebracht. Der Held hebt sich nicht besonders gegen die anderen good guys ab.

Bei Clancy wird der Sieg durch die Gemeinschaftsleistung einer konservativen, wehrhaften Gesellschaft errungen, in der alle strebend ihre patriotische Pflicht tun. Die Guten sind obere Mittelschicht: akademisch, wohlhabend und staatsnah. Ach was, staatsnah - alles Kumpels aus dem FBI, dem CIA, der Navy, der Airforce und einem S.W.A.T-Team. Die Bösen kommen aus dem Ausland.

Interessanterweise ist auch die Gemeinschaftsleistung keine logistisches Meisterwerk, bei dem irgendwer über sich hinauswächst. Wenn es eng wird, greift einfach die Routine und der Dienst. Vater Staat hat ja alle gut ausgerüstet und trainiert und dann klappt das schon.

Die eigentliche Story ist dramaturgisch gar nicht schlecht aufgebaut. Die Verfilmung ("Die Stunde der Patrioten") kann man allerdings vergessen. Zwar ist  das Ambiente gut rübergebracht, aber die Story ist mies gekürzt, verändert, verkrüppelt. Schade!

Mittwoch, 3. Februar 2010

Lucky Starr

Mit 130 Seiten kommt man natürlich nicht lange hin und darum mussten alle Fortsetzungen von Space Ranger her. Der Sammelband Lucky Starr vereint sechs Weltraumabenteuer in einem Band. Lucky Starr und sein Freund besuchen nacheinander Mars, den Asteroidengürtel, Venus, Merkur, Jupiter und Saturn, wo sie krachende, phantasievolle Abenteuer erleben.
Doch Halt! Die Beschreibungen der Planeten mit allem Drum und Dran und die überraschenden Lösungen sind zwar wirklich erfrischend mit einer großen Portion Kindheitsspaß. Aber sehr schnell wird deutlich, dass Lucky Starr ein eindimensionaler Charakter ist, der ausschließlich gute Eigenschaften besitzt - und diese vollzählig und im Extrem ausgeprägt. Immer dabei sein kleiner, hässlicher, dummer (aber treuer, mutiger, lustiger) Freund, der Lucky Starr verehrt und zum Dank von diesem ständig belehrt wird. Die pubertäre Heldenphantasie eines sehr jungen Autors.

Lucky und sein Freund erinnern sehr an Karl Mays Helden und ihre Alter Egos. Durch diese Charaktere ähneln sich die Geschichten trotz des bunten Vordergrundkollorits letztlich wie ein Ei dem anderen. Gut, dass sich Asimov schnell weiterentwickelt hat...

Space Ranger

Ha, was für ein Spaß. Ein speckiges Second-Hand-Büchlein aus einem Waliser Antiquariat. 50 Pence, 130 Seiten, Erstauflage 1952. Mein erster Asimov.

Der Stil ist so herzerfrischend naiv und einfach, dass ich mich in mein dreizehntes Lebensjahr zurückversetzt fühle. Ich sitze mit einer Packung Butterkeksen und einem großen Glas Milch zuhause. Die Schule ist für diese Woche zu Ende. Vor mir ein großes Abenteuerwochenende mit Buch!

Man merkt schon auf den ersten Seiten, dass die Geschichte älter ist als alles, was man in Science Fiction gelesen hat. Hier hat ein Klassiker frühe Fundamente gelegt, auf denen alle Nachgeborenen aufbauen werden.

Genau genommen, wird Asimov schon bald selbst hierauf aufbauen, denn es ist ein Frühwerk. Die späteren Bücher sind kunstvoller und haben mehr Tiefgang. Aber hach, was soll´s. Man weiß, hier hat jemand Neuland betreten - hier geht es erst mal richtig zur Sache.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Avatar




... im übrigen finde ich das romantisierte, verkitschte Bild des edlen Wilden in Avatar primitiv. Für den aktuellen Web 2.0 Bezug haben die Naturmenschen alle einen Haarzopf mit Tentakeln am Ende. Dieser dient als Schnittstelle zu anderen Wesen und Bäumen. Bei Berührung verflechten sich die Tentakelschnittstellen miteinander wie bei einem freundlichen Händedruck. So loggen sich die Wilden in die große biologische Matrix ein. Außerdem bilden die Edlen bei Bedarf ein großes, im Takt schunkelndes, betendes, summendes Kollektiv, beispielsweise wenn sie gemeinsame Heilungsriten durchführen. Klischeehaft.

Postitiv könnte man anmerken, dass man hier neuen, jungen Generationen eine Idee von heilem Naturbezug und der Stammesgeschichte der Menschheit so in zeitgenössischem Gewand nahebringt, dass sie emotional berührt werden. Das ist doch toll. Bei mir hat das noch Winnetou geleistet. Der war mir damals heilig und ist bei Licht besehen auch grottenschlecht.

Montag, 4. Januar 2010

Jurassic Park

Ein Paradebeispiel für die typischen Unterschiede von Buch und Film.
Im Film gibt es eine kurze Einleitungsgeschichte, bevor die Dinos in ganzer Pracht und Herrlichkeit ausbrechen. Dann nimmt das Toben und Töten atemberaubend, üppig und ausgiebig seinen Lauf. Ein Augenschmaus für die ganz große Leinwand. Und natürlich ein Paradies für die Kassemacher der Filmbranche - Jurassic Park 2, 3 und 4 waren kommerzielle Selbstläufer. Eine echte Medienmarke mit allem Schnick und Schnack.

Ganz anders das Buch: die Einleitungsgeschichte ist gar keine. Sie macht das Rückgrat des Buches aus. Hier bringt Crichton in unterhaltsamer, leichter Form das unter, was er an Wissenschaftlichkeit zu bieten hat. Ein Enkel Jules Vernes. (Wie alle Jules Vernes hab ich JP in französisch gelesen. Das bringt natürlich auch noch mal besonders Atmosphäre.)
Bis der erste Dino einen Fuß über einen Zaun setzt, ist das Buch jedenfalls schon über die Hälfte rum. Und dann wird das Buch schlagartig so flach und langweilig, dass ich es weggelegt habe. Ständig rennende Tiere und Menschen - das bringt es einfach nicht im Buch.

Die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen sind so gravierend, dass Buch und Film (fast)wie zwei verschiedene Abenteuer wirken.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Die Thrawn Trilogie

Peter hat mir drei Bücher von Timothy Zahn mitgebracht, die ich unbedingt mal lesen müsse.
# Erben des Imperiums
# Die dunkle Seite der Macht
# Das letzte Kommando

Es handelt sich um die drei letzten, nicht verfilmten Star Wars Folgen, mit Luke Skywalker, Han Solo, Prinzessin Leia usw., in denen erzählt wird, wie es nach der Schlacht um Endor und der Vernichtung des Imperators weitergeht.

Interessanterweise nennt man die Bücher die "Thrawn-Trilogie", denn der eigentliche Star ist ganz zurecht der imperiale Erzschurke und geniale Stratege Großadmiral Thrawn. Als ich nach ca. 20 Seiten merkte, dass ich die Trilogie vor 15 Jahren schon mal gelesen habe, hab ich sie nicht etwa zur Seite gelegt, sondern war glücklich, sie wiedergefunden zu haben. Ich werd mir die Bücher bestellen. Manches möchte man einfach zuhause stehen haben, um es immer wieder zu lesen.

Montag, 26. Januar 2009

Die Stadt der träumenden Bücher

Bis Seite 132 von 500 habe ich mich durch die Lektüre geschleppt, dann hatte ich keine Lust mehr. Eigentlich überraschend, denn Kapitän Blaubär und das kleinee Arschloch sind zwei lustige, unterhaltsame Figuren. Moers sprüht vor lustigen Einfällen, deftigen Bildern, kreativen Wortspiele, skurilen Figuren und bizarren Geschichten. Er muss einen Generator im Kopf hat, der ihn mit einer bestimmten Sorte von Einfällen quält. Und damit er nicht platzt, müssen sie raus. Leider haben ihm die Kurzgeschichten nicht genug Erleichterung gebracht. Er brauchte einen Befreiungsschlag. Einen riesigen Schuttabladeplatz für witzige Einfälle: "Die Stadt der träumenden Bücher".

Zum Inhalt: Der Held der Geschichte (ein Drache) wächst im literarisch durchtränkten, aber provinziellen Drachenhausen auf. Nachdem sein Mentor stirbt, zieht er hinaus in die große weite Welt, um Abenteuer in der großen Stadt (Buchheim) zu erleben. Er begibt sich auf die Suche nach dem "Wichtigen Gegenstand" (ein Buch) usw. usw. Die Hauptgeschichte ist recht handlungsarm und macht kaum Fortschritte. Der Held geht durch die Straßen und schaut sich um. Er sieht 7456 Lebensformen und 8991 Typen von Buchläden, die Walter Moers alle schön nacheinander beschreibt. Er betritt ein Antiquariat und sieht dort 29.320 skurile Bücher mit ihren Titeln und Verfassern, die Moers alle einzeln aufzählt. Er nimmt an einem Konzert im Stadtpark ein, das musikalisch die Landesgeschichte nachzeichnet und das Konzert dehnt sich über 20 Seiten. Nö! Wärst Du doch bei der Kurzgeschichte, dem Comic, der Skizze geblieben...
.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Eragon 2

Im zweiten Band hat sich die Geschichte endlich deutlich von ihrem Vorbild gelöst und geht eigene Wege. Der erste Band handelte von Aufbruch und Flucht, Lehr- und Wanderzeit, ersten Kämpfen, dem Verlust des Mentors und gipfelte in einer selbständigen Kraftprobe mit dem bösen Widersacher. Ein recht flotter Handlungsstrang. Der zweite Band verliert demgegenüber deutlich an Tempo. Weite Teile sind der Ausbildung des Helden bei den Elben gewidmet, deren Kultur ausgiebig dargestellt wird. Dabei dreht sich alles um das Thema Pubertät - ständig wird geflirtet und rebelliert. Sein Horizont erweitert sich, die Kräfte wachsen und alles ist - wie soll ich sagen - so prinzipiell. Parallel dazu gibt es eine recht fetzige Geschichte in Eragons Heimatdorf. Seinem Bruder wird die Liebste entführt, wodurch er über sich selbst hinauswächst, alle Feinde erfolgreich bekämpft und das ganze Dorf durch eine echt spannende Flucht führt. Ein guter Spannungsbogen und Ausgleich zum eher statischen Ergagon-Plot. In dem Maße, wie sich das Buch vom Herren der Ringe löst, wird wird die Geschichte unkomplexer, die Handlung einfacher, aber auch viel authentischer. Den dritten Band werde ich nun auch noch lesen. Allerdings pressiert es mich keinesfalls so, dass ich losstürze und Hardcover kaufe.


Eragon 1

Ich kann die "Herr der Ringe-Nachmacher" nicht leiden. Egal wohin man schaut - ein Abklatsch nach dem anderen und Eragon macht fleißig mit. Fangen wir mal mit den Äußerlichkeiten an. Drei dicke Bände. Schlägt man sie auf, erst mal eine Landkarte mit einem Meer im Westen, der Heimat des Helden im Nordwesten und einem Hauptplot ziemlich weit im Süden. Es gibt Elben, die über das Meer aus dem Westen gekommen sind und nicht uralt werden, mürrische Zwerge, die unter der Erde leben und Schätze anhäufen und eben die Menschen. Am Ende des Buches gibt es erst mal ein Glossar mit den verschiedenen Begriffen aus den verschiedenen Sprachen mit etymologischen und grammatikalischen Angaben. Der Held muss fliehen, weil er ein wertvolles Objekt besitzt, dass der böse Herrscher unbedingt braucht, um seine Herrschaft zu festigen usw. Das Ganze geht bis in Details. Zum Beispiel wird die Gesellschaft, in der der Held mittlerweile nach Süden reist, vom Feind arg bedrängt und muss unbedingt unter dem Gebirge hindurch fliehen. Der Eingang ist verborgen. Vor dem Eingang liegt ein See. Zum Eingang führt ein schmaler Weg direkt am Felsen vorbei. Der Felsen öffnet sich erst nicht, erst als... Ich habe geglaubt ich seh nicht richtig und immer mal den Umschlag kontrolliert, welches Buch ich eigentlich gerade lese.

Na gut. Es gibt auch noch eine andere Seite. Eragon ist ein echtes Jugendbuch, dessen Autor
es im Alter von sechszehn Jahren geschrieben hat. Kindern, denen der Herr der Ringe zu langatmig, verworren und schwer ist, finden hier ein sehr lesbares Pendant. Wenn man den HdR nicht kennt, ist Eragon sogar richtig spannend. Der Stil ist nicht schlecht. Einfach, klar und unterhaltsam. Als ich meinen Widerwillen erst mal überwunden hatte, bin ich die Geschichte mit Genuss und Neugier gefolgt. Ein würdiger Vertreter der Gattungen Roadmovie, Entwicklungsroman, Abenteuergeschichte und Märchen - nur halt für Jugendliche.

Dienstag, 18. März 2008

10.000 B.C.

Merkwürdig, mit welchem Eifer sich die Medien in den letzten Wochen auf diesen Film eingeschossen haben. Ständig wird man darüber aufgeklärt, dass der Film historisch nicht korrekt sei. Mamuts zu jagen sei viel zu gefährlich gewesen.
Hey, was soll der Eifer? Der Film fällt doch ganz offensichtlich in die Kategorie "Abenteuerschinken für Kinder".
Warum hat man nicht gleich noch angemerkt, dass hinter den Alpen nicht sofort der Kongo liegt und die ägyptische Wüste von uns aus gesehen vor dem Kongo - nicht dahinter. Auch kein Wort davon, dass die Pyramiden nicht 10.ooo vor Christus gebaut wurden.

Eins fand ich bei all den mit leichter Hand zusammengewürfelten Abenteueringredenzien glaubwürdig: den kollossalen Eindruck, den eine frühe Hochkultur durch ihren Bevölkerungsreichtum, sozialen Organisationsgrad und technologischen Vorsprung auf einfachere Gesellschaften gemacht haben muss.

Der Abstand zwischen Hochkulturen in diesem Sinne und einfachen Gesellschaften hat sich all die Jahrtausenden erhalten. Wie mag es einem Menschen aus den afghanischen Bergen gehen, der plötzlich nach New York kommt?

Dienstag, 19. Februar 2008

Into the wild


Ja, ja - eine wahre Geschichte. Junger Pubertierender leidet an seinen Eltern. Nach dem Studium verschenkt er Hab und Gut - vor allem sein ganzes Geld - und haut von zuhause ab.
Zwei Jahre trampt er durch die USA, trifft Junge und Alte, Frauen und Männer, Bauern und Hippies, Singels und Pärchen. Alle mögen ihn, alle wollen ihn bei sich behalten. Trotz der persönlichen, sympathischen Begegnungen hält in aber letztlich nichts. Zur inneren Reinigung und Klarheit muss er an sein Ziel: Alaska - into the wild.
Dort angekommen merkt er nach einer kurzen Zeit der Befreiung und Weite, dass ihm die Menschen doch wichtig sind, kann aber wegen des Wetters nicht zurückkehren. Er vergiftet sich am falschen Kraut und stirbt an Entkräftung. Zwei Wochen nach seinem Tod finden ihn zwei Elchjäger in "seinem" ausrangierten Schulbus mitten im Nirgendwo inmitten seiner ergreifenden Tagebücher - . (Das Originalfoto oben fand sich in seiner Kamera und wurde posthum entwickelt.)

Ich glaube, ich habe einfach zu viele Roadmovies gesehen und Entwicklungsromane gelesen, um bei diesem Thema noch wirklich mitzugehen. Obwohl der Film gut und sensibel gemacht ist. Die Authentizität trägt das ihrige zur Wirkung bei.

Ja - er ist sicherlich eine Empfehlung wert...

.

Freitag, 24. August 2007

Die Harry Potter Erzählungen

Mit den sieben Harry Potter Bänden hat Joanne K. Rowling einen stilbildenden Klassiker geschrieben. Sie hat ein völlig eigene Welt entworfen, die man vorher so noch nie gesehen hatte. Mit eigenen Charakteren, Gesetzen und eigener Geschichte, vergleichbar dem Herrn der Ringe.

Ich habe es viele Jahre für unmöglich gehalten, dass der innerste Kern meiner geliebten Kinder- und Jugendbücher, von der kleinen Hexe, über Urmel aus dem Eis, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer bis hin zur schwarzen Sieben, Krabat und einigen anderen, jemals eine Erweiterung erfahren könnte. Dazu war die Jugendlektüre zu intensiv und heilig. Und doch haben es zwei Werke geschafft: Der Herr der Ringe und Harry Potter.
Genau wie in Tolkiens Fall wird in ihrem Kielwasser eine Legion zweitklassiger Schreiberlinge segeln. Eine Flut von Büchern, Comics, Filmen, Brett- und Computerspielen - das ganze Programm. Es bleibt zu hoffen, dass sie nicht selber mitmacht, sondern ihr bisheriges Werk als Solitär unangetastet lässt.

Aktuelle Gerüchte sagen, dass die Ehefrau von Ian Rankin sie krimischreibend in einem Edinburgher Café entdeckt haben soll. Das wäre gut...

Harry Potter - letzter Band

Erleichterung und Dankbarkeit!

Der qualitative Einbruch beim vorletzten Band war genau das, was ich als Harry Potter Fan immer befürchtet hatte. Nach dem Genuss der ersten Bände mit ihrer stetigen Steigerung, hatte ich schon für den fünften Band arge Befürchtungen. Kann K. Rowling ihren Stil durchhalten und immer neue, gute Plots entwerfen? Muss es nicht irgendwann bergab gehen? Das Gesamtwerk wäre beschädigt. Doch dann kam der grandiose fünfte Band - der bislang dickste und beste.

Im siebten und letzten hat sie das ängstlich erhoffte Kunststück vollbracht!

Die Scharte vom sechsten ausgewetzt, eine erneute, deutliche Steigerung, alle Elemente, die man so liebt vorhanden, alle losen Fäden aufgenommen, alle Geheimnisse gelöst und ein unglaublich furioses Ende. Puh! Dem letzten Satz des Buches stimme ich aus vollem Herzen zu. Er ist für mich das Resumee des Gesamtwerkes: "All was well"

Montag, 6. August 2007

Im Lande des Mahdi 3 ("Im Sudan")

Wegen des schönen Titelbildes habe ich mir den letzten Band der Trilogie aus Versehen zuerst gekauft. "So geht das aber nicht! Wie fängt die Geschichte denn an?"
So kam es, dass ich gleich drei Karl-May Bände hintereinander gelesen habe.

Nach 1500 Seiten kann ich folgende Inhalte resümieren:
20x heimlich anschleichen und die Planungen der Gegner ausspionieren
20x den Gegnern eine Falle stellen und sie ohne einen Schuss gefangen nehmen
20x genaue Ortsbeschreibungen, die 1:1 für die Freilichtbühne übernommen werden können
20x aus dem Gebüsch einen Schlag mit dem Gewehrkolben bekommen und in Gefangenschaft geraten
20x in Gefangenschaft optimistisch bleiben und im letzten Moment die Fesseln durchschneiden
20x darstellen, wie sehr der Islam dem Christentum unterlegen ist
20x Gnade vor Recht ergehen lassen, ohne dass die undankbaren Schufte dadurch Buße tun
20x mit Folter bedroht werden, ohne Angst zu zeigen
20x werden die gefangenen Ganoven nicht selbst bestraft, sondern den Behörden übergeben
2000x werden von Kara Ben Nemsi Effendi dumme Ansichten korrigiert
2000x behält Kara Ben Nemsi Effendi Recht

Mit anderen Worten: es ist unglaublich monoton. Keine neuen Ideen, kein Schwung, kein gar nichts. Die Hälfte des Buches spielt übrigens gar nicht im Sudan, sondern ist eine Rückblende in frühere Bücher. Wir erleben Kara Ben Nemsi Effendi im wilden Kurdistan mit seinem edlen Pferd "Rih" und seinem "kleinen, drolligen" Begleiter Hadschi Halef Omar...
Dieser Ausflug beseitigt letzten Rest von Zweifeln: alle Bücher sind absolut identisch aufgebaut. Immer ist z.B. der Bösewicht ein Anführer einer Rotte von mindestens 30 Schurken (Sklavenhändler, Banditen...), immer soll jemand den wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen werden (Krokodile, Bären...) usw.

Wenn ich es mir Recht überlege, sind Karl-May Bücher weniger Abenteuerbücher, als vielmehr Krimis: immer werden Kriminelle überführt, immer treffen wir den selben Kommissar - die Story ist gar nicht so wichtig, wenn wir nur den Kommissar lieben...

Donnerstag, 2. August 2007

Im Lande des Mahdi 2 ("Der Mahdi")


Wie angenehm es doch ist, sich mit einem Protagonisten zu identifizieren, der allen anderen körperlich, geistig und moralisch weit überlegen ist. Sicher und gut gelaunt reist man durch wilde Gegenden voller Krokodile und Mumien, kommt an die exotischsten Orte und ist Herr jeder Situation. Balsam für die geschundene Seele!

Wer jedoch denkt, dass "Der Mahdi" vom Mahdi handelt, irrt. Das Titelbild stellt den Sklavenjäger Ibn Asl dar, den man aus "Menschenjäger" kennt. Die ganze Geschichte ist eine einzige Fortsetzung des letzten Bandes. Dennoch taucht der historische Mahdi, Muhammed Achmed, als Nebenfigur im Buch auf, bevor er berühmt wird und Khartum erobert. Er tritt als wirrer Fanatiker ohne Anhänger auf den Plan, dem wir zweimal das Leben retten, indem wir einen riesenhaften Löwen mit einem Meisterschuss erlegen und ihn später vor dem Verschmachten bewahren, obwohl er so undankbar, feige und hinterhältig war. Berühmt wird er erst außerhalb des Buchs - zu sehen im Film Khartoum (1965). Vorher sagt Kara Ben Nemsi Effendi ihm aber seitenlang mal richtig die Meinung über seinen Glauben.

Auch im Mahdi geht es vor allem um häufiges Anschleichen und Lauschen, Spurenlesen, Kamelreiten und kunstvolle Hinterhalte, in denen Dutzende von Bösewichten ohne Blutvergießen gefangen werden. Erstaunlich ist, dass wir mit unserem Helden in Gefangenschaft geraten und man uns fast die Fingernägel zieht, wovor wir natürlich gar keine Angst haben, da wir selbst diese Situation beherrschen und genüßlich entfliehen. Schön, dass uns später noch ein paar Mal blanker Zufall zur Hilfe kommt, wir arme Sklaven befreien und eine tolle Zeit haben. Was will man mehr...

Montag, 9. Juli 2007

Im Lande des Mahdi 1 ("Menschenjäger")

Nach 30 Jahren mal wieder einen Karl May in der Hand.
Ich liege im Bett, lese die ersten Seiten und versinke in der Phanatsiewelt meiner Kindheit. Wunderbar.

"Eine Segelfahrt auf dem Nil! Welches Erlebnis! Man hat el Kahira, die Pforte des Ostens hinter sich und strebt dem Süden zu. (...) Jetzt kann man mit dem Zug von Kairo nach Siut fahren; aber eine pfeifende Lokomotive am Nil, eine hässliche Rauchwolke in der herrlichen Luft des heiligen Stroms, das will mir wie eine Entweihung scheinen. Ich ziehe das Deck eines Schiffes dem engen Bahnabteil vor. Da sitzt man auf seiner Matte oder auf einem Polster, die Pfeife in der Hand und den duftenden Kaffee vor sich. Der breite Strom dehnt sich wie ein See vor dem Blick, scheinbar grenzenlos. Das erregt die Einbildungskraft, die vorauseilt, dem Süden entgegen, um ihn sich mit riesigen Pflanzen und Tieren zu bevölkern."


Aber ach, oh weh! Aus den Winnetou-Erzählungen meiner Erinnerung bin ich edle Indianer gewöhnt. Old Shatterhand war ein bescheidener, freundlicher Mensch. Karl May bedeutete für mich immer Lex Barker und Pierre Brice. "Im Lande des Mahdi" hingegen begegnet mir Kara Ben Nemsi Effendi als unerträglicher Aufschneider. Jeder, der ihm begegnet oder ihn begleitet ist dumm oder albern oder moralisch verworfen; primitiv in den Absichten und leicht zu durchschauen. Kara Ben Nemsi Effendi kennt das Land stets besser als die Eingeborenen, spricht alle Sprachen perfekt, beherscht alle Künste und ist immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Das erinnert mich an Sherlock Holmes, bei dem auch immer alles perfekt zusammenläuft. Man kann immer gewiss sein, dass er jede noch so schwierige Nuss knackt. Auch an Dr.Doolittle kommt mir in den Sinn, der vor jeder Reise absurde Sachen zusammenpackte - für eine Grönlandexpedition eine Gieskanne, eine Klobrille und Rollschuhe - und im Laufe der Reise wurden exakt diese Dinge dringend benötigt.

Diese Vergleiche sind auch schon der Schlüssel zum Verständnis meiner Zuneigung zu Karl May Romanen: mit ihren deutlich überzeichneten guten und bösen Charakteren und vorhersehbarem Verlauf ähneln sie Märchen. Mit ihrem einfachen Plot, einfachen Gerechtigkeit und einfachen Sprache ähneln sie vielen biblischen Geschichten. Man muss in Stimmung sein, um so etwas zu lesen - eine Zeit lang in die naive Weltsicht der Kindheit zurückfallen wollen.

Wenn man die erwachsenen Sicht nicht ausschalten kann und Karl May mit großer Literatur vergleicht, kann das Urteil nur vernichtend sein. Nach 20 Seiten hat man den ganzen Karl May erfasst:
Er stilisiert sich zu einem wunderbaren Helden. Dabei geht er grotesk primitiv vor. Er ist ein naiver Angeber - geradeheraus, ungeschmickt, ohne jedes Gefühl für Peinlichkeiten. Bei seiner Selbstinszenierung stützt er sich auf das Überlegenheitsgefühl des imperialistischen Zeitalters der restlichen Welt gegenüber. Er als Europäer und Christ ist allen anderen haushoch überlegen. Jeder Europäer ist mehr wert, als zehn Afrikaner. Wiederholt weißt er darauf hin, dass die tiefe Bewunderung und Ehrfurcht, die die Ägypter für ihn empfinden, ganz und gar unverdient sei, da jedes deutsche Schulkind die fraglichen Kenntnisse habe.

Ein Teil der Überlegenheit war damals auch gar nicht von der Hand zu weisen: allgemeine Schulbildung, aufgeklärtes Denken, Wissenschaft, überlegene militärische Machtmittel, straffe Verwaltung der Kolonien und Mandatsgebiete und technisches Know-How. Leider vermischt er dies mit moralischer und kultureller und intellektueller Überlegenheit. Den Deutschen hat es aber damals offensichtlich gefallen. Auch an die Naziideologie fühle ich mich erinnert: auf den ersten Blick schöne und gute Menschen, klarer Blick, Mut und Aufrichtigkeit etc. Einfache Sprache mit klaren Botschaften und prägnanten Sprachbildern. Auf den zweiten Blick eine unglaublich verquaste Mischung aus Halbwahrheiten, Vereinfachungen, Ausblendungen und nicht zusammenpassenden Versatzstücken.

Ein markantes Beispiel dafür sind seine ständigen Hinweise auf sein Christentum! Im ersten Moment fühlt man sich von den ethischen Standards angesprochen: edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Auf den zweiten Blick ist dies doch aber gar nicht typisch christlichch! Und um sich selbst noch mehr zu erhöhen, greift er auch hier wieder zum primitivsten aller Mittel - die Anderen zu erniedrigen:
"Sein Verhalten lies mich den Einfluss des Islam mit dem Christentum auf den Menschen vergleichen. Welche Liebe, Sanftmut, Demut und milde Freundlichkeit beobachtet man bei den Mitgliedern christlicher Bruderschaften, und wie hochmütig, verstockt und frech trat dieser Leiter einer muslimischen Verbrüderung auf.
So sind sie alle, die unwissenden Mulimin, deren Frömmigkeit sich meist nur im gedankenlosen Herleiern einiger Gebete bestätigt: verbissene und verständnislose Menschen (...)"
Wäre er nicht schon tot, hätte er das heutzutage bestimmt nicht überlebt. Er wäre von verbissenen Mitgliedern muslimischer Verbrüderungen mit einer Fatwa belegt worden.

So, nach dieser Schimpftirade muss ich aber schnell aufhören und mich mit Butterkeksen ins Bett zurückziehen. Ich habe mir den nächsten Band ("Der Mahdi") gekauft und kann nicht abwarten, endlich weiterzulesen...