Sonntag, 20. November 2011
Cook
Journalist. Hat viele Jahre für das Wall Street Journal als Auslandskorrespondent von fast allen Kontinenten berichtet und 1995 den Pulitzer Preis für die beste Inlands-Berichterstattung erhalten. Seitdem hat er ausgesorgt, lebt mit der Familie auf Martha´s Vineyard und ist freischaffender Reiseschriftsteller geworden.
Das Buch ist keine Cook-Biographie und keine historische Darstellung, sondern das, was man von einem Reiseschriftsteller erwarten darf: ein Bericht über Horwitz´ eigene Reise zu all den Plätzen, an denen Cook gewesen ist. England, Tonga, Alaska, Neuseeland, Hawai, Kamtschatka, Tahiti, Australien. Immer nimmt er einen Kumpel mit. Das ganze ist locker und humorvoll erzählt - im Stil so ähnlich wie Bill Bryson - inhaltlich eine Mischung aus Picknick mit Bären und Down Under.
Horwitz will ein Gefühl dafür bekommen, wie es damals war. Da gibt es doch diesen Originalnachbau der Endeavour, auf der man mitsegeln kann. Also nichts wie drauf. Und nach diesem Auftakt jeden historischen Ort persönlich in Augenschein nehmen. Rumlaufen, mit Leuten sprechen, vor Ort Cooks Logbücher lesen, nachspüren, die Gegenwart gegen die Vergangenheit halten. Toll. Gut gemacht.
Sympathischer Kerl. Hat noch einige andere interessante Bücher geschrieben.
Donnerstag, 21. Juli 2011
Kulturgeschichte des Klimas
Samstag, 30. Januar 2010
An Empire of Wealth
Den sehr anekdoten- und personenzentrierten Stil finde ich persönlich eher unbefriedigend. "Heldengeschichten", die manchen patriotischen Amerikaner interessieren dürfte. Ich habe mich öfters gelangweilt, bin hin und her gesprungen und habe es nicht zu Ende gelesen.
Die Hauptthese des Buches finde ich patriotisch übertrieben und falsch: Während andere Weltreiche ihre Macht auf Politik und Waffengewalt stützten, dominierten die USA die Welt auf eine friedfertige, alles durchdringende Art und Weise. Nämlich durch ihre Wirtschaftsleistung und ihre Fähigkeit immer mehr Wohlstand zu schaffen. Erzähl das zum Beispiel mal den Staaten Mittel- und Südamerikas...
Guns, germs and steel
Weil die Sonne nicht scheint
Warum scheint die Sonne nicht?
Weil zu viele Wolken am Himmel sind
Warum sind so viele Wolken am Himmel?
Die hat der Wind hierhergeblasen?
Warum bläst der Wind?
usw.usw.
Durch diese Art von Frage- und Antwortspiel geht der Pulitzer-Preis-Träger Jared Diamond der Frage nach, warum die verschiedenen Gesellschaften auf den verschiedenen Kontinenten so unterschiedlich reich und mächtig sind. Welche vordergründigen Faktoren sind für diese Unterschiede verantwortlich? Welche Faktoren liegen dahinter und welche dahinter? Wie weit muss man zurückgehen, um an die Wurzel zu gelangen? Bis ins Mittelalter? Bis zu den frühen Hochkulturen? Nein - bis in die Zeit als alle Menschen auf der Erde noch als Jäger und Sammler gelebt haben. Also bis ans Ende der letzten Eiszeit vor ca. 15.000 Jahren. Von dort an haben sich die unterschiedlichen Gesellschaften unterschiedlich schnell "zivilisiert". Wie und warum kam es dazu? Sind die Völker unterschiedlich intelligent? Sind die Wilden faul?
Jared Diamond´s Motiv für dieses Buch war nach eigener Aussage, solche simplen aber tief eingefleischten, rassistischen Hypothesen zu widerlegen. Die Menschen sind überall gleich intelligent und im evolutiven Sinne gleich modern. Entwicklungsunterschiede führt er auf Unterschiede in den natürlichen Ressourcen und Gegebenheiten auf den Kontinenten zurück. Welche das sind, will ich hier nicht verraten.
Diamond bezieht alle Kontinente in seine Darstellung ein. Für mich interessant war, dass ein besonderer Schwerpunkt auf Neu Guinea, Australien und Ozeanien liegt. Eine Gegend, über die ich bislang sehr wenig wusste, die Diamond aber aus 30jährigen Forschungsaufenthalten gut kennt.
Seine Darlegungen und Herleitungen sind systematisch und gründlich. Das Buch gut strukturiert, anschaulich und leicht verständlich - das Lesen eine große Abenteuer- und Entdeckungsreise. Ein würdiger Nachfolger meines Jugendlieblingssachbuchs "Götter, Gräber und Gelehrte". So sollen Sachbücher sein.
Stilistisch kritisch anzumerken ist, dass er einen redundanten Schreibstil pflegt, der aufgrund der klaren Sprache und guten Struktur eigentlich überflüssig wäre. Gegen Ende steigern sich die Redundanzen bis zur Unerträglichkeit. Die Hälfte hätte es auch getan.
Sonntag, 21. Juni 2009
ABSOLUTE FRIENDS
Wenn Du das Wörterbuch brauchst, um vintage nachzuschlagen, dann leg es gar nicht mehr weg. Es gibt Unmengen toller neuer englischer Worte zu lernen.
Wenn das also ein "klassischer" Carré ist, dann muss ich unbedingt mehr davon lesen. Carré schreibt den lakonischen Stil eines alten Mannes, der viel gesehen hat und die Wechselfälle des Lebens unaufgeregt und ohne Illusionen betrachtet. Eine abgeklärte Vogelperspektive.
In schnörkellosem Stil beschreibt Carré die Lebensgeschichte von Ted Mundy, die als Sohn eines indischen Kolonialoffiziers beginnt und in Heidelberg nach 9/11 endet. Und es ist keine Spionagegeschichte, wie ich sie vermutet habe. Genau wie manch guter Krimi nur den Vorwand zu Charakter- und Milieustudien liefert, beschreibt Carré atmosphärisch dicht das Leben eines Mannes, der erst nach 60% des Buches überhaupt mit Spionage in Kontakt kommt. Nachkriegsengland, Berlin 68, DDR und BRD der 80ger - Carré muss persönlich dabei gewesen sein. Der knappe, sachliche Stil erzeugte bei mir besonders intensive Emotionen, um die "Lücken" zu füllen. Ted Mundy - ein sympatischer Kerl wie Du und ich. Ich werde ihn vermissen.
Das Ende ist übrigens ein Knaller. Man könnte denken, Carré hätte 95% des Buches als Vorrede geschrieben, damit man das Ende richig würdigen kann. Das wäre eine etwas sehr lange Vorrede. Nein, ich denke, er hat in die Zeiten des Kalten Krieges zurückgegriffen, weil das seine Zeit ist und hat einfach ein aktuelles Ende drangeflanscht. Und zwar gut!
Freitag, 9. Januar 2009
Shakespeare
An wirklich harten Fakten ist so wenig über Shakspar* bekannt, dass sehr viele Forscher die Lücken durch Spekulationen füllten. Bryson führt uns den wirklichen Stand unseres Unwissens brutal vor Augen und fährt gleichzeitig batallionsweise Spekulationen, fanatische Verfechter wirrer Lehrmeinungen und deren Motive auf. Cool.
Am besten hat mir gefallen, wie er das pralle, bunte England und London in der Zeit um 1600 zum Leben erweckt. Noch nie konnte ich mich dieser Zeit so sinnlich nahe fühlen. Bryson ist ein großer Erzähler, der mit wenigen Worten mehr erschafft als anderen auf tausend Seiten!
* was es damit auf sich hat, erfährst Du im Buch
Montag, 8. Dezember 2008
Das Lächeln der Fortuna
Montag, 13. Oktober 2008
Artus ohne Tafelrunde
Es erfordert erhebliche Konzentration, aus dem Wust dichtgedrängter Informationen das zu entnehmen, was das Buch in Wort und Bild so herrlich ankündigt: worin bestehen denn jetzt eigentlich die Legenden und wie war es denn nun wirklich? Das Buch wird leider keinen festen Platz in unseren Bücherregalen finden - seufz...
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Montag, 6. Oktober 2008
Schnee
Literaturnobelpreis? Niemals!Natürlich kann ich nur die deutsche Übersetzung beurteilen, aber was ich da gelesen habe, finde ich sprachlich und stilistisch mieserabel. Die Sätze sind lang, verschachtelt und mit (meist wenig interssanten) Nebeninformationen belanden. Das Werk liest sich wie der schwerfällige Sachbuchversuch eines Provinzjournalisten, der selbst Erlebtes akribisch festhält. Ebenso muss auch noch jedes recherchierte Detail irgenwie untergebracht werden. Keine Straffung der Geschichte auf Wesentliches - scheinbar ist alles wesentlich.
Plot: Der Held der Geschichte begibt sich in eine türkische Provinzstadt, wird ein paar Tage eingeschneit und erlebt "die Widersprüche von Orient und Okzident", was sich ungefähr so liest:
"Der Autor von Mutterland und Turban, den ich fünf Jahre nach den Geschehnissen, siebenundneunzigjährig und nicht mehr ganz rüstig in Ankara antraf, erzählte mir, dass in den vierziger Jahren die Gymnasiastinnen und Beamtinnen an dieser Stelle seines ebenso wie die anderen Werke (Atatürk läuft, Atatürk schläft, Atatürk für Gymnasien, Gespräche mit Ihm usw.) leider jetzt vergessenen Stücks (er wusste nichts von der Aufführung in Kalüm und den Ereignissen) sich erhoben und unter Tränen geklatscht hätten, während er gleichzeitig seine ungezogenen Enkel (genauer gesagt seine Urenkel) ausschimpfte, die auf ihm herumkletterten."
Geeignet für alle, die so stark an den gegenwärtigen sozialen Verhältissen der türkischen Provinz interessiert sind, dass sie quälende Textarbeit nicht scheuen. Als Lohn winken Erkenntnisse wie diese: "Wenn Unglück ein hinreichendes Motiv für Selbstmord wäre, würden sich die Hälfte aller türkischen Frauen umbringen."
Ich denke, das war eine politisch motivierte Preisvergabe an jemanden, der sich von innen her kritisch mit verschiedenen Aspekten islamischer Gesellschaften auseinandersetzt. Leider völlig unleserlich.
Dienstag, 16. September 2008
Wilhelm Tell
Der kluge Mann baut vorDer Starke ist am mächtigsten allein
Die Axt im Haus erspart den Zimmermann
Früh übt sich, was ein Meister werden will
Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben,wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt
Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt
Durch diese hohle Gasse muss er kommen
Klassiker lesen - herrlich. Doch worum ging es noch gleich?
Gut, Tell musste seinem Sohn den Apfel vom Kopf schießen - aber wieso?
Hier der Inhalt: Böser Watz unterdrückt Land und Leute. Denen platzt der Kragen. Sie verschwören sich zum Aufstand. Aber erst mal schön planen - in der Schweiz will gut Ding Weile haben. Doch dann unerwartet die verfrühte Eskalation: böser Watz zwingt Tell zum Schuss auf Sohn. Der lauert an hohler Gasse und tötet Watz. Folge: spontaner Aufstand, Freiheit, Schweiz!
Samstag, 6. September 2008
Der Kalte Krieg

Bernd Stöver ist außerplanmäßiger Professor an der Universität Potsdam und Mitarbeiter des Zeithistorischen Instituts in Potsdam mit zahlreichen Publikationen zur deutschen und amerikanischen Geschichte. Wie Historiker so sind, hat er sich dabei meistens Teilaspekte (des Kalten Krieges) herausgegriffen, die er en detail aufarbeitet z.B. die Volksaufstände in Ostmitteleuropa oder den Antikommunismus in der McCarthy Ära.
Sein Buch über den Kalten Krieg aus dem Jahr 2007 ist ein 500-seitiger Gesamtüberblick. Normalerweise fordern von Forschern verfasste Sachbücher dieser Dicke vom Leser langen Atem und Konzentration, um die Detailfülle und -dichte zu verarbeiten. Keine Entspannungslektüre für den Feierabend.
Dass dieser Fall für mich anders liegt ist weniger dem Stil des Buches zu verdanken, als vielmehr der behandelten Epoche. Meine ganze Kindheit hindurch hatte ich das Gefühl, dass alles, was man aus der Geschichte kennt doch eigentlich eine Art Märchen sein müsse. Angeblich habe es in all den Jahrhunderten und Jahrtausenden ständig große Ereignisse und Taten gehagelt. Aber "heutzutage" tut sich gar nichts mehr. Die Geschichte ist zu Ende. Es herrscht Windstille. Die Gegenwart bedeutet nichts als kleinen Alltag, Stillstand, Langeweile und ok - Sicherheit und Wohlstand - gähn...
Wie verblüfft war ich also, dass nun jemand hingeht und über diese "Nicht-Geschichte" ein Geschichtsbuch schreibt. Und dann behauptet er auch noch, es handle sich um eine geschlossene Epoche - wie das?
Diese ungläubige Frage hat mir Bernd Stövers Buch überzeugend beantwortet. Tatsächlich - das war echte Geschichte und hey - es IST viel geschehen. Dass sich das historisch fühlbare Geschehen (Krieg, Umwälzungen, Unruhen, Flucht) ab ca. 1961 aus Mitteleuropa herausverlagert hat und diese Region quasi windstill im Auge eines Orkans lag, ist nur ein spezieller Teilaspekt des Ganzen (den ich sehr stark empfunden habe).
Die größte persönliche Bereicherung für mich ist, dass ich zwei in meinem Lebensgefühl völlig getrennte Epochen nun als Einheit sehe und empfinde: die Epoche meiner Eltern (Nachkriegszeit, Wirtschaftswunder, Volksaufstände in Osteuropa, Kubakrise, JFK, Mondlandung, Mauerbau, 50ger Jahre Kino, 6-Tage-Krieg, Vietnamkrieg, 68ger-Aufstände) und meine eigene Epoche (Atomkriegsangst, Friedensbewegung, Nicaraguakaffee, Iran-Contra-Affäre, Ayatollah Chomeni, Nato-Doppelbeschluss, James Bond Filme, Einmarsch der Russen in Afghanistan, Dritte Welt Problematik und Entwicklungshilfe als Waffe, Reagan-Ära, Glasnost und Perestroika, Wiedervereinigung).
Gott im Himmel - mit diesen zwei mickrigen Stichwortlisten werde ich der Inhaltsfülle und Tiefe dieses Buches auch nicht ansatzweise gerecht. Es geht ja gar nicht nur um Politik, sondern auch um den Kalten Krieg in Radio, Fernsehen, Musik, Kino, Literatur, Kunst, Architektur, Sport, Geheimdiensten, Propaganda, Technik, Soziale Bewegungen, Sozialpolitik usw. Jedenfalls gehört das tatsächlich zusammen - ist ein Kontinuum. Die Ära meiner Eltern ist mir jetzt ganz nahe.
Und jetzt? Die Wiedervereinigung ist nun schon fast 20 Jahre her; für meine Töchter fühlen sich Sowjetunion und DDR so irreal an, wie für mich Hitlerdeutschland oder Nachkriegszeit. Ob sie ihre Zeit auch mal mit meiner Zeit verkoppeln können?
Kinder, wie die Zeit vergeht! Endlich spüre ich das mal und denke es nicht nur. Wenn das nicht die Wirkung ist, die man von einem Geschichtsbuch erwartet, dann weiß ich es auch nicht. Unbedingt lesen!
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Donnerstag, 13. Dezember 2007
Der König der purpurnen Stadt
Montag, 12. November 2007
Flag, An american biography
Es gibt eine Geschichtsschreibung, die hervorhebt, wie Geschichte von einzelnen (meist "großen") Menschen gemacht wird, anekdotenreich, voller Details und Datumsangaben.Und dann gibt es eine Geschichtsschreibung, die Zeittendenzen, tiefere Strukturen, wirtschaftliche, soziologische und politische Zusammenhänge analysiert. Ich bevorzuge letztere. Marc Leepson offensichtlich erstere.
So erfahren wir zum Beispiel, dass die Vermont-Boys (?) am nebligen Morgen des 26.Januar 1865 (?) eine Flagge mit einer leicht anderen Anordnung von Sternen in die Schlacht von Barton Oaks (?) führten, oder dass 1951 (?) der Collegestudent James Smith (?) eine Flagge mit 50 Sternen auf der Nähmaschine seiner alten Mutter nähte, obwohl zu der Zeit erst 48 vorgesehen war. Dafür wurde er später vom Präsidenten geehrt und durfte bei einer - na was - Flaggenparade auf dem Broadway (?) neben ihm stehen. Solch wichtiger Informationen sind viele. Die Fragezeichen deuten an, dass ich alle Details schon wieder vergessen habe. Wer jedoch solche Geschichtchen zwecks leichterUnterhaltung lesen mag, dem tut sich hier eine wahre Fundgrube auf.
Wir erfahren auch, dass die Flaggenbegeisterung in Kriegszeiten stets enormen Aufschwung nahm (na so was), dass vor allem konservative Kreise und Veteranenorganisationen einen quasi-religiösen Flaggenkult treiben und immer wieder großen Einfluss auf die Gesetzgebung erlangen. So muss z.B. die amerikanische Flagge in den USA immer höher hängen als andere Flaggen, obwohl das in Friedenszeiten international nicht nur verpönt, sondern per Uno-Statut anders geregelt ist. Das erinnert micht schon sehr an die verbotene erste Strophe der deutschen Nationalhymne.
Der Autor ist der Meinung, dass alle dieses Buch gelesen haben müssen, insbesondere auch die, die amerikanische Flaggen verbrennen. Wieso? Meint er wirklich, dass man davon Abstand nähme, wenn man deren Geschichte kennte? Wer die interventionistische, wirtschaftsimperialistische Außenpolitik der USA kennt, der weiß, dass die Angesprochenen viele gute Gründe für ihre empörten symbolischen Aktionen haben. Diese Gründe werden durch das hier vermittelte Wissen nicht abgemildert.
Schön finde ich auch die vielen Zitate, die uns mit patriotischer Rhetorik erquicken:
"From the mountains of Kentucky to the shores of California to the Sea of Tranquillity on the Moon, our pioneers carried our flag before them, a symbol of the indomitable spirit of a free people. And let us never forget that in honoring our flag, we honor the American men und women who have courageously for it over the last 200 years - patriot who set an ideal above any consideration of self and who suffered for it the greatest hardships. Our flag flies today because of their sacrifice."Dazu liese sich vieles sagen und ich wünschte mir die klare, ruhige, umfassende Darstellungsweise eines Richard Dawkins, der all das mal zerpflückt. Man mag zwar denken "Wozu das - ist doch nicht ernst zu nehmen. Bloßes Politikergeschwätz" - aber das denkt man ja auch über christliche Inhalte und doch gibt es darum heutzutage heiße Debatten, einfach weil es die USA sind, in denen dieses Gedankengut großen Einfluss hat und nicht Surinam.
Ronald Reagan
Donnerstag, 11. Oktober 2007
Mein Amerika
Bill Bryson hat bereits zahlreiche gute-Laune-Bücher in einem unverwechselbar locker plaudernden, heiteren Stil geschrieben. Sein häufigstes Stilmittel sind charmate bis groteske Übertreibungen, die mich an Ephraim Kishon erinnern und von denen ich nicht genug bekommen kann. Drum hab ich nahezu alle seine Bücher verschlungen.In seinem bislang letzten Werk beschreibt er seine Kindheit in den USA der fünfziger und frühen sechziger Jahren, genauer im öden, ländlichen Iowa, in der Mitte des mittleren Westens.
Alles, was ich kürzlich bei meinen beiden ersten USA-Besuchen in der texanischen Provinz an amerikanischer Alltagskultur kennengelernt habe, scheint in den fünfziger und frühen sechziger Jahren entstanden und bloß graduell weiterentwickelt worden zu sein. Die Fünfziger waren das "goldene Zeitalter" Amerikas. Ein im Vergleich zum damaligen Europa ein unvorstellbar reiches und fortschrittliches Land.
In ironisch-kritisch-liebevollem Ton beschreibt Bryson alle guten und weniger guten Phänomene jener Zeit durch eine scheinbar naive, begeisterte Brille des kindlichen Rabauken: die erste Rolltreppe im Kaufhaus, das aufkommende Fernsehen, die totale Umstellung auf das Auto, den frühen Kalten Krieg, den Rassismus, aberwitzigen Fortschrittsglauben, Kommunistenhatz, unkritischem Einsatz von DDT in Wohngebieten zur Mückenbekämpfung und vieles andere.
Eine Tour de Force. Obwohl er alle großen Themen der Zeit anschneidet, bleibt es ein sehr persönliches, warmes Buch über seine Familie und Freude voll detaillierter Alltagsbegebenheiten. Sehr schön finde ich auch das Ende im Stile eines Entwicklungsromanes. Im Erwachsenwerden wandelt sich seine begeisterte Kinheitssicht in kritische Wahrnehmung des american way of life. Als Leser begrüsst man zwar die adäquatere Wahrnehmung der Welt, fühlt aber auch den schmerzlichen Verlust des Kindheitsparadieses.
Dienstag, 4. September 2007
The Real Life of Angel Deverell
Der Film schildert, wie es dazu kommen konnte und welches Ende es nimmt: Um als phantasiebegabtes Kind die schlimmen Verhältnissen zu ertragen, hat sie sich mit extremer Energie in eine kitsch-romantische Traumwelt hineingesponnen, die sie völlig beherrscht, in der sie alle Rollen innehat. Gerade dies ermöglicht ihr eine Karriere als erfolgreiche Romanautorin, was wiederum dazu beiträgt, dass sie dieser Traumwelt nicht entkommen kann. Sie muss nicht lernen, sich auf andere Menschen einlassen. Durch den Rummel um ihre Person und zahllose Bewunderer wird sie immer nur bestärkt, nie gibt es wesentliche Impulse zum Wachstum, zur Veränderung, zum Erwachsenwerden. Diese soziale Behinderung wird beklemmend in Bilder gesetzt. Das ist die Stärke des Films und der Grund, ihn zu empfehlen.
Wer wird ihr Ehemann? Natürlich der, der ihr als einziger widerspricht. Schön wird herausgearbeitet, wie sich die Beziehung von anfänglich prickelnder Spannung über viele Zwischenstufen bis zur wahrhaft dramatischen Krise auswächst. Am Ende kann nicht einmal der ausbrechende Weltkrieg mit seinen heftigen Erschütterungen und Emotionen bis zu ihr durchdringen. Sie haftet weiter in ihrer kleinen Ich-Welt, kann die Beweggründe, Reaktionen und Gefühle anderer Menschen, kann die Veränderungen um sie herum nicht verstehen und nicht auf sie reagieren. Noch nie hatte ich mit einer so furchtbaren Egozentrikerin so viel Mitleid.
Der Film erinnert an das Leben manch späterer Hollywoodstars, die in goldenen Käfigen ein irreales Leben führten und den Kontakt zur Welt verloren - nur dass Angel den Kontakt als Überlebensstrategie schon als Kind aufgegeben hat.
Deutscher Titel: "Angel - ein Leben wie im Traum" (wie im Alptraum!)
Freitag, 24. August 2007
300
"Wanderer, kommst Du nach Sparta, sag Du habest uns hier liegen sehen, wie es das Gesetz befahl..."
Während die sonstigen Griechen angesichts der Übermacht weichen, halten 300 Spartaner unter König Leonidas der Übermacht stand, bis sie schließlich durch Verrat untergehen. Diese Heldentat gibt den Griechen neuen Mut, so dass sie ein Jahr später - vereinigt - die Perser unter Großkönig Xerxes endgültig zurückschlagen.
Der Film zeigt viele Kampfszenen und wird daher oft mit billigen Hack- und Metzelstreifen gleichgesetzt, für die ich nichts übrig habe.Mich haben Stil und Bildästhetik beeindruckend. Hier wird ein Mythos verfilmt, eine Parabel, eine Ur-Erzählung. Farben, Kameraeinstellungen, Kostüme, Erzählweise (mit einer Stimme aus dem Off)- alles weist in mythische Ferne. Es geht um Helden, um Archetypen, um Gut und Böse. Der Film schwelgt in oppulenten Bildern. Es ist ein Rausch des Sehens und der stilisierten Ästhetik. Der Film versetzt das Blut in Wallung und treibt einem rote Schleier vor den Augen.
Die gängigen Trailer vermitteln leider nicht das Feeling des Films.

