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Samstag, 22. März 2008

Die Zwillingsfalle

Nach 617 Grad Celsius bin ich gleich zum Stern-Verlag spaziert, um nach weiteren Krimis von Horst Eckert Ausschau zu halten. Dabei habe ich entdeckt, dass er "Glauser" und "Marlowe"-Preisträger ist und schon acht Düsseldorf-Krimis geschrieben hat.

Die Zwillingsfalle ist konsistent zu 617 Grad Celsius. Die Grundstimmung ist gleich. Grundelemente, die mir gefallen, tauchen wieder auf. Zum Beispiel, dass sich die Guten und die Bösen nur in Nuancen unterscheiden. Wer hat schon mal gelesen, dass sich die gute Kommissarin und der korrupte Bulle (der einen Kriminellen exekutiert, um seine eigenen Machenschaften zu verbergen) gegenseitig decken und helfen. Tja - das korrupte Schwein erweist sich am Ende als Mitmensch.
Eckert hat seine Krimis nicht auf einem einzigen Kommissar aufgebaut. Im Polizeipräsidium taucht aber immer wieder ein bestimmter harter Peronenkreis auf. Man trifft alte Bekannte, die sich weiterentwickeln und um Karriereschritte und Positionen rangeln. Aber auch die neuen Nebenpersonen sind gut gezeichnet. Diesmal ein SEK-Beamter, der von der Rambotruppe zur Kriminalwache zwangsversetzt wird.
Trotz gleicher Grundelemente bringt das genug Abwechslung. Inhaltlich ist die Geschichte wieder mit einem besondere Stück Stadtgeschichte verwoben: der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone. Was schlug das damals für Wogen, als der blaue Mannesmann-Schriftzug vom Mannesmann-Hochhaus runtergeholt wurde und durch das rote Vodafone ersetzt wurde. Ein sichtbares Fanal, dass die Globalisierung auch in Düsseldorf angekommen ist und Opfer kostet.

617 Grad Celsius

Lisa wollte etwas für meinen Lokalpatriotismus tun und hat mir diesen "Düsseldorf-Krimi" geschenkt. Ich war ja etwas skeptisch. Ist das Buch vielleicht nur geschrieben, damit Düsseldorf auch mal irgendwo vorkommt? Wird er sich auf dem Niveau den unbekannten Heimatdichters oder der Vereinszeitung des Düsseldorfer Alpenvereins bewegen?

Nein. Wunderbar. Ein wirklich spannendes Ding um die Verflechtung von Polizei und Landespolitik und die lokale Boulevardpresse. Ein bischen hat es mich an Rebus erinnert, denn immer tauchen Titel und Textzeilen aus irgendwelchen Songs auf. Außerdem ist es nicht wirklich nett bei Polizistens. Gerangel, Misstrauen und Intrige. Die Bullen sind nicht wirklich gute Menschen und die Bösen eigentlich nur so böse wie Du und ich auch. Dann gibt es noch Anklänge an wahre Düsseldorfer Gegebenheiten - hier die Hausexplosion in der Krahestraße.

Neu fand ich die intensive Behandlung innerfamiliärer Verstrickungen über Generationsgrenzen hinweg und ihre Auswirkung auf den Seelenhaushalt der Hauptpersonen. Hat Eckert mal eine Familientherapie mitgemacht? Überrascht haben mich auch die gelegentlichen treffenden medizinisch-psychiatrischen Beschreibungen und - hach - seine Seitenhiebe auf Krankenhäuser und Ärzte. Das hat mir doch alles ganz gut gefallen. Dass die ganze Sache in Düsseldorf spielt und ich jede Straße und Ecke kenne, ist überhaupt nicht wichtig - hat meinem Lokalpatriotismus aber doch geschmeichelt ;-)

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