Posts mit dem Label xx Stieg Larsson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label xx Stieg Larsson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 20. Februar 2009

Vergebung

Merkwürdig. Was sind das für Bücher, die man beim Lesen nicht aus der Hand legen kann. Man ist gebannt und fasziniert, doch zwei Wochen später denkt man: " Was ist eigentlich so toll daran?"

Im Gegensatz zur Beprechung des zweiten Bandes bin ich nun der Meinung, dass die drei Bände im Grunde ein einziges Buch sind. Der dritte Band führt die beiden ersten nahtlos fort und bringt alles zu einem versöhnlichen Ende. Fertig! Mir drängt sich der Vergleich zum Herrn der Ringe auf. Doch Larson oder der Verlag wollten (wohl aus kommerziellen Gründen), dass die drei Bücher möglichst unabhängig voneinander funktionieren. Darum sind etwa ein Drittel der Buchstaben des dritten Bandes nur dazu da, neuen Lesern zu erklären, was sie in Band 1 und 2 verpasst haben. Das nervt zu Tode!
Inhalt: Lisbeth Salanders in Band 2 aufgeklärte Vergangenheit bricht auf. Der Geheimdienst versucht erneut, sie zu Vertuschungszwecken in die Psychiatrie sperren zu lassen. Diesmal hat sie aber starke Verbündete - aufrechte Journalisten, aufrechte schwedische Demokraten, aufrechte Polizisten, aufrechte Hackerkollegen, eine aufrechte Anwältin und noch ein paar andere aufrechte Freunde. Dem sind die Bösewichte nicht gewachsen. In einem Show-Down vor Gericht, ganz im Stile vieler Gerichtsdramen, werden sie überführt, während Salander die ganze Zeit im Gefängnis sitzt. Schön wie ein Dur-Akkord, schön wie Mozart, Balsam für die Seele - aber im Nachhinein halt irgendwie langweilig. Lieber hätte man Salander in Aktion gesehen...

Mittwoch, 14. Januar 2009

Verdammnis

Wow, das gab es schon lange nicht mehr: ich habe gestern bis zwei und heute morgen bis vier Uhr durchgelesen. Auf der Arbeit konnte ich es kaum aushalten, das Buch endlich wieder in Händen zu halten.

Ich hatte ja große Bedenken, ob es Larsson nach seinem wirklich guten Auftaktbuch "Verblendung" hinbekommen würde, die liebgewonnen Figuren glaubwürdig weiterzuführen. Er hat und wie. Das zweite Buch seiner Reihe ist eine Intensivierung und Steigerung und spannend wie nur was.

Im Unterschied zu dem, was ich gehört hatte, handelt es sich aber nicht um eine Story, die sich über zwei Bücher erstreckt, sondern um zwei unabhängig voneinander lesbare Stories mit den gleichen Hauptpersonen. In Verdammnis erfahren wir alles über Lisbeth Salanders Hintergrund. Sie ist die unbestrittene Hauptperson und - endlich mal ein Umschlagtext, den ich voll unterschreiben kann - "Lisbeth Salander überwältigt mit ihrer Unwiderstehlichkeit. Sie gewinnt die Liebe des Lesers im Sturm" Der Spiegel

Nicht verschwiegen werden soll, dass Larsson inmitten seiner kunstvoll aufgebauten, zügig voranschreitenden Geschichte ab und zu stilistische Einsprengsel bringt, die merkwürdig lahm und unbeholfen wirken z.B. die Marotte, die zahlreichen Personen eines polizeilichen Ermittlerteams, biographisch auszuleuchten - und zwar
a) alle hintereinander über drei Seiten und
b) für die Story eigentlich überflüssig.
Vielleicht haben wir eine Großteil der Spannung ja dem gut gespitzten Rotstift des Unbekannten Lektors zu verdanken.

Sonntag, 11. Januar 2009

Verblendung

Na das ist ja mal ein Ding. Da schreibt einer drei Krimis, die einschlagen wie wie eine Bombe - aber leider erst posthum veröffentlicht wurden. Schade, das hätte eine ganze Krimiserie mit dem ungewöhnlichen Ermittlerpärchen "Wirtschaftsreporter + verhaltensgestörte Sozialhilfeempfängerin" werden können. Was muss er denn mit 50 einen Herzinfarkt bekommen!? Wahrscheinlich hat er genau so geraucht, wie seine Darsteller oder wurde hintenrum von den schwedischen Neonazis ermordet. Die spielen jedenfalls eine ziemliche Rolle in diesem mit dem Skandinavischen Krimipreis ausgezeichneten Buch, was sich aus seiner Biographie ergibt. Tja, und dann hat er da noch dieses Thema "Frau wird von Sadist gefangen und gequält" drauf.
Um all diese Themen irgendwie unterzubringen, wählt er als Rahmenhandlung einen Wirtschaftskrimi, in den er eine klassische Whodunit einbettet. Nachdem der Held der Geschichte, seines Zeichens Enthüllungsreporter, vor Gericht eine Niederlage gegen einen vermutlich kriminellen Großindustriellen erlitten hat, zieht er sich in die schwedische Provinz zurück. Dort nimmt er den Auftrag eines ehemaligen Großindustriellen an. Er soll einen 4o Jahre alten Mord aufklären, was auch in klassischer Manier, Schritt für Schritt gelingt. Im Gegenzug hilft der alte Großindustrielle dem Reporter die Anfangsschlappe auszuwetzen und dem Bösewicht das Handwerk zu legen. Das Buch ist unterhaltsam und wird nach einem etwas flauen Anfang sogar richtig, richtig spannend. Guter Stil. Meine Lieblingsfigur ist die unangepasste "Lisbeth Salander", die der ganzen Geschichte Seele verleiht. Da beide Helden mit ordentlich Geld an den Füßen aus dieser Geschichte herauskommen, bleibt abzuwarten, ob der Folgeroman nicht zwangsläufig ganz anders werden muss, denn Geld ändert ja bekanntlich alles. Erhalten bleiben uns wahrscheinlich die Sadisten und die Nazis...