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Dienstag, 19. Februar 2008

Into the wild


Ja, ja - eine wahre Geschichte. Junger Pubertierender leidet an seinen Eltern. Nach dem Studium verschenkt er Hab und Gut - vor allem sein ganzes Geld - und haut von zuhause ab.
Zwei Jahre trampt er durch die USA, trifft Junge und Alte, Frauen und Männer, Bauern und Hippies, Singels und Pärchen. Alle mögen ihn, alle wollen ihn bei sich behalten. Trotz der persönlichen, sympathischen Begegnungen hält in aber letztlich nichts. Zur inneren Reinigung und Klarheit muss er an sein Ziel: Alaska - into the wild.
Dort angekommen merkt er nach einer kurzen Zeit der Befreiung und Weite, dass ihm die Menschen doch wichtig sind, kann aber wegen des Wetters nicht zurückkehren. Er vergiftet sich am falschen Kraut und stirbt an Entkräftung. Zwei Wochen nach seinem Tod finden ihn zwei Elchjäger in "seinem" ausrangierten Schulbus mitten im Nirgendwo inmitten seiner ergreifenden Tagebücher - . (Das Originalfoto oben fand sich in seiner Kamera und wurde posthum entwickelt.)

Ich glaube, ich habe einfach zu viele Roadmovies gesehen und Entwicklungsromane gelesen, um bei diesem Thema noch wirklich mitzugehen. Obwohl der Film gut und sensibel gemacht ist. Die Authentizität trägt das ihrige zur Wirkung bei.

Ja - er ist sicherlich eine Empfehlung wert...

.

Dienstag, 13. November 2007

We feed the world



Oh, mal wieder ein Film über Nahrungsmittel. Erste Vermutung: er schildert die Verunreinigung von Nahrungsmitteln mit Pestiziden und anderem Dreck. FALSCH.
Zweite Vermutung: er zeigt (wahrscheinlich mal wieder am Beispiel der USA) wie Nahrungsmittellieferungen als politisches Druckmittel gegen schwächere Staaten eingesetzt wird. FALSCH.
Statt dessen wird uns anhand zahlreicher Beispiele die seit Jahrzehnten zunehmende Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion und –verteilung in Erinnerung gerufen. Ein durchgehend langsamer Film, der bis zur Schlussszene an Intensität gewinnt. Einzigartig wird er für mich durch drei Interviewpartner, die schon im Trailer kurz zu Wort kommen. Ein Vertriebschef des Saatgutriesen Monsanto, der gentechnisch manipuliertes Hybridsaatgut persönlich zum Kotzen findet, ihn aber in Rumänien im großen Stil einführt. Dann Jean Ziegler, UNO-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung. Er bringt die gegenwärtige Weltsituation und die Rolle der Welthandelsorganisation WTO auf den Punkt . An moralischer Klarheit lässt er dabei keine Wünsche offen. Als dramatischen Höhepunkt und krönenden Abschluss erleben wir ein Interview mit Peter Brabeck, Konzernschef des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns - Nestlé. Gruselig! Wow.

Freitag, 14. September 2007

Planet Erde









Das waren die Natur- und Tiefilmklassiker meiner Kindheit. Danach kamen hunderte, wahrscheinlich tausende weniger gute Nachahmer, die ich so lange angeschaut habe, bis ich das ganz Genre komplett leid war.

Nach vielen Jahren der Abstinenz habe ich mit "Planet Erde" den Film entdeckt, der für mich emotional an die alten Zeiten anknüpfen kann. Ein ästhetischer, großer, ruhiger Film. Wer für dieses Genre nicht völlig verloren ist, sollte sich die erste dieser Doppel-DVD nicht entgehen lassen. (Die zweite fällt leider deutlich ab.)

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"Nach seiner weltweit viel beachteten und mehrfach ausgezeichneten Reihe "Blue Planet", die in der ARD erfolgreich als "Unser blauer Planet" ausgestrahlt wurde, zeigt Alastair Fothergill (BBC) nun die großen Lebensräume der Erde. Die Filme sprengen alle bisherigen Grenzen der Naturdokumentation. Die zeigen unsere Welt, wie sie nie zuvor zu sehen war – von den großen Flüssen und beeindruckenden Schluchten, über mächtige Berge und geheimnisvolle Höhlen, bis hin zu riesigen Wüsten und weiten Feuchtgebieten.
"Wenn unsere Bilder keine Rembrandt-Qualität haben", erläutert BBC-Produzent Huw Cordey, "sollen sie auch nicht Teil unseres Films werden". Ein schönes Motto, doch besondere Bilder kosten besonders viel Geld, und so wurde "Planet Erde" die aufwändigste Tier- und Naturfilm-Produktion aller Zeiten aus dem Hause der BBC.

Fünf Jahre lang wurde gedreht, 16 Millionen Pfund kosteten die elf Filme, 40 Kamerateams fingen mit zum Teil atemberaubender neuer Technik 10.000 Stunden Material an über 200 Schauplätzen ein: Der Weiße Hai in extremer Zeitlupe auf Robbenjagd, Unterwasserbilder von schwimmenden Elefantenherden oder fast schon surreal schöne Tänze von Paradiesvögeln - die Opulenz der ohne digitale Tricktechnik auskommenden BBC-Bilder ist wahrlich atemberaubend. Neue Filmtechniken, unbekanntes Tierverhalten, unbekannte Drehorte.

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Montag, 27. August 2007

Eine unbequeme Wahrheit

Wenn die Leute sich vom Arzt behandeln lassen, wünschen sie sich den besten Spezialisten. Wenn sie sich ein Haus bauen lassen, bestehen sie auf einen Top-Architekten. Wenn sie vor Gericht ziehen, suchen sie den Star-Anwalt. Die Besten sind immer gerade gut genug!
Wenn es aber darum geht, einen Politiker zu wählen - jemand der das Schicksal des Landes bestimmt und das Wohlergehen von Millionen beeinflusst, soll es bitte schön ein Typ wie Du und ich sein. Einer der so tickt, wie wir, spricht wie wir - jemand der uns verstehen.


Diese unbequeme Wahrheit hat Al Gore erkannt und in seinem Film über die anrollende Klimakatastrophe konsequent genutzt.

Man ist verblüfft über das Alter der vorgetragenen Fakten und die Einfachheit der Darstellung. Jeder, der sich auch nur einigermaßen für Umweltfragen interessiert, wird hier nichts entdecken, was er nicht schon seit 10-20 Jahren kennt.
Wer sich - wie ich - immer gefragt hat, warum sich die Menschen von all den schrecklichen, oft publizierten Fakten der Umweltzerstörung usw. nicht berühren liesen und wenigstens minimale Verhaltensänderungen zeigten, bekommt hier die Antwort:



Sie haben darauf gewartet, dass einer der ihren zu Ihnen kommt, um die nötigen Fakten unterhaltsam zu präsentieren. Er soll persönlich vorbeikommen und die Hand schütteln. Wir möchte in kleinem Kreis bequem im Sessel sitzen und er bringt uns zum Lachen. Natürlich darf er kein Kasper sein, aber auch keinesfalls so streng gucken wie ein Wissenschaftler. Er soll fest im Establishment verankert sein, einen 1a Anzug tragen, konservativ frisiert sein und so reden wir wir: langsam, bildhaft, bodenständig. Im Vortrag muss er möglichst viele private Dinge aus seinem Familienleben einflechten; Kinder, Gartenparty, Schicksalsschläge. Je mehr Anekdoten desto besser. Und hinter jeder Grafik steht ein sympathischer Wissenschaftler, der mit dem Vortragenden persönlich befreundet ist. Zum Event gehört es auch, dass alles wunderschön multimedial aufbereitet ist und der Anstieg der bösen Werte in der Grafik buchstäblich durch die Decke schlägt. Die Werte sind so schlimm hoch, dass der nette Staatsmann von nebenan mit einer Hebebühne bis zur Saaldecke hochfahren muss, um persönlich seinen Finger auf die Linie zu legen.

Ja - so sind wir. Was für eine unbequeme Wahrheit...