Sonntag, 20. November 2011
Cook
Journalist. Hat viele Jahre für das Wall Street Journal als Auslandskorrespondent von fast allen Kontinenten berichtet und 1995 den Pulitzer Preis für die beste Inlands-Berichterstattung erhalten. Seitdem hat er ausgesorgt, lebt mit der Familie auf Martha´s Vineyard und ist freischaffender Reiseschriftsteller geworden.
Das Buch ist keine Cook-Biographie und keine historische Darstellung, sondern das, was man von einem Reiseschriftsteller erwarten darf: ein Bericht über Horwitz´ eigene Reise zu all den Plätzen, an denen Cook gewesen ist. England, Tonga, Alaska, Neuseeland, Hawai, Kamtschatka, Tahiti, Australien. Immer nimmt er einen Kumpel mit. Das ganze ist locker und humorvoll erzählt - im Stil so ähnlich wie Bill Bryson - inhaltlich eine Mischung aus Picknick mit Bären und Down Under.
Horwitz will ein Gefühl dafür bekommen, wie es damals war. Da gibt es doch diesen Originalnachbau der Endeavour, auf der man mitsegeln kann. Also nichts wie drauf. Und nach diesem Auftakt jeden historischen Ort persönlich in Augenschein nehmen. Rumlaufen, mit Leuten sprechen, vor Ort Cooks Logbücher lesen, nachspüren, die Gegenwart gegen die Vergangenheit halten. Toll. Gut gemacht.
Sympathischer Kerl. Hat noch einige andere interessante Bücher geschrieben.
Freitag, 9. Januar 2009
Shakespeare
An wirklich harten Fakten ist so wenig über Shakspar* bekannt, dass sehr viele Forscher die Lücken durch Spekulationen füllten. Bryson führt uns den wirklichen Stand unseres Unwissens brutal vor Augen und fährt gleichzeitig batallionsweise Spekulationen, fanatische Verfechter wirrer Lehrmeinungen und deren Motive auf. Cool.
Am besten hat mir gefallen, wie er das pralle, bunte England und London in der Zeit um 1600 zum Leben erweckt. Noch nie konnte ich mich dieser Zeit so sinnlich nahe fühlen. Bryson ist ein großer Erzähler, der mit wenigen Worten mehr erschafft als anderen auf tausend Seiten!
* was es damit auf sich hat, erfährst Du im Buch
Dienstag, 4. September 2007
The Real Life of Angel Deverell
Der Film schildert, wie es dazu kommen konnte und welches Ende es nimmt: Um als phantasiebegabtes Kind die schlimmen Verhältnissen zu ertragen, hat sie sich mit extremer Energie in eine kitsch-romantische Traumwelt hineingesponnen, die sie völlig beherrscht, in der sie alle Rollen innehat. Gerade dies ermöglicht ihr eine Karriere als erfolgreiche Romanautorin, was wiederum dazu beiträgt, dass sie dieser Traumwelt nicht entkommen kann. Sie muss nicht lernen, sich auf andere Menschen einlassen. Durch den Rummel um ihre Person und zahllose Bewunderer wird sie immer nur bestärkt, nie gibt es wesentliche Impulse zum Wachstum, zur Veränderung, zum Erwachsenwerden. Diese soziale Behinderung wird beklemmend in Bilder gesetzt. Das ist die Stärke des Films und der Grund, ihn zu empfehlen.
Wer wird ihr Ehemann? Natürlich der, der ihr als einziger widerspricht. Schön wird herausgearbeitet, wie sich die Beziehung von anfänglich prickelnder Spannung über viele Zwischenstufen bis zur wahrhaft dramatischen Krise auswächst. Am Ende kann nicht einmal der ausbrechende Weltkrieg mit seinen heftigen Erschütterungen und Emotionen bis zu ihr durchdringen. Sie haftet weiter in ihrer kleinen Ich-Welt, kann die Beweggründe, Reaktionen und Gefühle anderer Menschen, kann die Veränderungen um sie herum nicht verstehen und nicht auf sie reagieren. Noch nie hatte ich mit einer so furchtbaren Egozentrikerin so viel Mitleid.
Der Film erinnert an das Leben manch späterer Hollywoodstars, die in goldenen Käfigen ein irreales Leben führten und den Kontakt zur Welt verloren - nur dass Angel den Kontakt als Überlebensstrategie schon als Kind aufgegeben hat.
Deutscher Titel: "Angel - ein Leben wie im Traum" (wie im Alptraum!)
