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Donnerstag, 4. Dezember 2008

Eragon 2

Im zweiten Band hat sich die Geschichte endlich deutlich von ihrem Vorbild gelöst und geht eigene Wege. Der erste Band handelte von Aufbruch und Flucht, Lehr- und Wanderzeit, ersten Kämpfen, dem Verlust des Mentors und gipfelte in einer selbständigen Kraftprobe mit dem bösen Widersacher. Ein recht flotter Handlungsstrang. Der zweite Band verliert demgegenüber deutlich an Tempo. Weite Teile sind der Ausbildung des Helden bei den Elben gewidmet, deren Kultur ausgiebig dargestellt wird. Dabei dreht sich alles um das Thema Pubertät - ständig wird geflirtet und rebelliert. Sein Horizont erweitert sich, die Kräfte wachsen und alles ist - wie soll ich sagen - so prinzipiell. Parallel dazu gibt es eine recht fetzige Geschichte in Eragons Heimatdorf. Seinem Bruder wird die Liebste entführt, wodurch er über sich selbst hinauswächst, alle Feinde erfolgreich bekämpft und das ganze Dorf durch eine echt spannende Flucht führt. Ein guter Spannungsbogen und Ausgleich zum eher statischen Ergagon-Plot. In dem Maße, wie sich das Buch vom Herren der Ringe löst, wird wird die Geschichte unkomplexer, die Handlung einfacher, aber auch viel authentischer. Den dritten Band werde ich nun auch noch lesen. Allerdings pressiert es mich keinesfalls so, dass ich losstürze und Hardcover kaufe.


Eragon 1

Ich kann die "Herr der Ringe-Nachmacher" nicht leiden. Egal wohin man schaut - ein Abklatsch nach dem anderen und Eragon macht fleißig mit. Fangen wir mal mit den Äußerlichkeiten an. Drei dicke Bände. Schlägt man sie auf, erst mal eine Landkarte mit einem Meer im Westen, der Heimat des Helden im Nordwesten und einem Hauptplot ziemlich weit im Süden. Es gibt Elben, die über das Meer aus dem Westen gekommen sind und nicht uralt werden, mürrische Zwerge, die unter der Erde leben und Schätze anhäufen und eben die Menschen. Am Ende des Buches gibt es erst mal ein Glossar mit den verschiedenen Begriffen aus den verschiedenen Sprachen mit etymologischen und grammatikalischen Angaben. Der Held muss fliehen, weil er ein wertvolles Objekt besitzt, dass der böse Herrscher unbedingt braucht, um seine Herrschaft zu festigen usw. Das Ganze geht bis in Details. Zum Beispiel wird die Gesellschaft, in der der Held mittlerweile nach Süden reist, vom Feind arg bedrängt und muss unbedingt unter dem Gebirge hindurch fliehen. Der Eingang ist verborgen. Vor dem Eingang liegt ein See. Zum Eingang führt ein schmaler Weg direkt am Felsen vorbei. Der Felsen öffnet sich erst nicht, erst als... Ich habe geglaubt ich seh nicht richtig und immer mal den Umschlag kontrolliert, welches Buch ich eigentlich gerade lese.

Na gut. Es gibt auch noch eine andere Seite. Eragon ist ein echtes Jugendbuch, dessen Autor
es im Alter von sechszehn Jahren geschrieben hat. Kindern, denen der Herr der Ringe zu langatmig, verworren und schwer ist, finden hier ein sehr lesbares Pendant. Wenn man den HdR nicht kennt, ist Eragon sogar richtig spannend. Der Stil ist nicht schlecht. Einfach, klar und unterhaltsam. Als ich meinen Widerwillen erst mal überwunden hatte, bin ich die Geschichte mit Genuss und Neugier gefolgt. Ein würdiger Vertreter der Gattungen Roadmovie, Entwicklungsroman, Abenteuergeschichte und Märchen - nur halt für Jugendliche.