Posts mit dem Label Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Film werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 15. November 2011

Patriot Games

Beim Lesen dieses Buchs hat mich seit langem mal wieder einmal die Lust überfallen, eine Besprechung zu schreiben. Mir ist dabei so viel durch den Kopf gegangen. Und was stelle ich auf einmal fest? Ich habe schon einmal ein Buch von Tom Clancy besprochen, und darin schon alles Negative gesagt. Ist zwei Jahre her. Ich konnte mich überhaupt nicht erinnern. Umso erstaunter war ich, dass ich erneut ein Werk als "N24-Buch" betitelt habe.

Na, dann kann ich ja gleich zu den sonstigen Beobachtungen übergehen. Clancy´s Hauptfigur Jack Ryan gehört in die Reihe der absolut guten Kerle wie Donna Leon´s Commissario Brunetti oder Elisabeth Georges Inspector Lynley. Genau wie diese ist er kein besonders aufsehenerregender Held, sondern einfach nur der good guy von nebenan. Clancy schafft es aber nicht, ihm einen etwas tieferen Charakter zu geben. Sein Privatleben ist irgendwie standardisiert. Er sagt, was man so sagen muss, und tut was man so tun muss. Ein politisch hyperkorrekter Saubermann. So viel steht fest: das Buch lebt nicht vom Hauptcharakter und dementsprechend werden die bad guys bei Clancy auch nie  durch individuelle Leistungen wie Spürsinn (Sherlock Holmes), Hartnäckigkeit (John Rebus) oder Intuition (Adamsberg) zur Strecke gebracht. Der Held hebt sich nicht besonders gegen die anderen good guys ab.

Bei Clancy wird der Sieg durch die Gemeinschaftsleistung einer konservativen, wehrhaften Gesellschaft errungen, in der alle strebend ihre patriotische Pflicht tun. Die Guten sind obere Mittelschicht: akademisch, wohlhabend und staatsnah. Ach was, staatsnah - alles Kumpels aus dem FBI, dem CIA, der Navy, der Airforce und einem S.W.A.T-Team. Die Bösen kommen aus dem Ausland.

Interessanterweise ist auch die Gemeinschaftsleistung keine logistisches Meisterwerk, bei dem irgendwer über sich hinauswächst. Wenn es eng wird, greift einfach die Routine und der Dienst. Vater Staat hat ja alle gut ausgerüstet und trainiert und dann klappt das schon.

Die eigentliche Story ist dramaturgisch gar nicht schlecht aufgebaut. Die Verfilmung ("Die Stunde der Patrioten") kann man allerdings vergessen. Zwar ist  das Ambiente gut rübergebracht, aber die Story ist mies gekürzt, verändert, verkrüppelt. Schade!

Donnerstag, 14. Januar 2010

Avatar




... im übrigen finde ich das romantisierte, verkitschte Bild des edlen Wilden in Avatar primitiv. Für den aktuellen Web 2.0 Bezug haben die Naturmenschen alle einen Haarzopf mit Tentakeln am Ende. Dieser dient als Schnittstelle zu anderen Wesen und Bäumen. Bei Berührung verflechten sich die Tentakelschnittstellen miteinander wie bei einem freundlichen Händedruck. So loggen sich die Wilden in die große biologische Matrix ein. Außerdem bilden die Edlen bei Bedarf ein großes, im Takt schunkelndes, betendes, summendes Kollektiv, beispielsweise wenn sie gemeinsame Heilungsriten durchführen. Klischeehaft.

Postitiv könnte man anmerken, dass man hier neuen, jungen Generationen eine Idee von heilem Naturbezug und der Stammesgeschichte der Menschheit so in zeitgenössischem Gewand nahebringt, dass sie emotional berührt werden. Das ist doch toll. Bei mir hat das noch Winnetou geleistet. Der war mir damals heilig und ist bei Licht besehen auch grottenschlecht.

Montag, 4. Januar 2010

Jurassic Park

Ein Paradebeispiel für die typischen Unterschiede von Buch und Film.
Im Film gibt es eine kurze Einleitungsgeschichte, bevor die Dinos in ganzer Pracht und Herrlichkeit ausbrechen. Dann nimmt das Toben und Töten atemberaubend, üppig und ausgiebig seinen Lauf. Ein Augenschmaus für die ganz große Leinwand. Und natürlich ein Paradies für die Kassemacher der Filmbranche - Jurassic Park 2, 3 und 4 waren kommerzielle Selbstläufer. Eine echte Medienmarke mit allem Schnick und Schnack.

Ganz anders das Buch: die Einleitungsgeschichte ist gar keine. Sie macht das Rückgrat des Buches aus. Hier bringt Crichton in unterhaltsamer, leichter Form das unter, was er an Wissenschaftlichkeit zu bieten hat. Ein Enkel Jules Vernes. (Wie alle Jules Vernes hab ich JP in französisch gelesen. Das bringt natürlich auch noch mal besonders Atmosphäre.)
Bis der erste Dino einen Fuß über einen Zaun setzt, ist das Buch jedenfalls schon über die Hälfte rum. Und dann wird das Buch schlagartig so flach und langweilig, dass ich es weggelegt habe. Ständig rennende Tiere und Menschen - das bringt es einfach nicht im Buch.

Die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen sind so gravierend, dass Buch und Film (fast)wie zwei verschiedene Abenteuer wirken.

Freitag, 27. Februar 2009

Glaubensfrage

Ein mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnetes Theaterstück gut verfilmt. Der deutsche Titel ist allerdings nicht ganz treffend, denn es geht nicht um theologische Dispute. Das Original heißt "Zweifel".

Inhalt: 1964 in Harlem (New York). Eine katholische Kirchengemeinde und eine katholische Schule. Konflikt zwischen der bitteren, herrschsüchtigen Rektorin (Nonne), die die Schule wie ein Gefangenenlager leitet und dem lebensfrohen irischen Gemeindepriester, der den Leuten lebensnah aus dem Herzen predigt und viel für die Jugend tut. Beim ersten an den Haaren herbeigezogenen Vorwand stürzt sich der alte Drache auf den Priester und unterstellt ihm sexuelle Beziehungen zu einem Schüler. Idiotisch, oder? Man ist anfangs geneigt, die olle Schrulle zu hassen und den netten Kerl zu schützen, aber andererseits - wie viele solcher Priester hat es nicht schon gegeben. So wie sie religiöse Sprüche vorschiebt, um ihren Machtkampf zu gewinnen, so gut würden ihm seine progressiven Argumente helfen, niedere Motive und Kindesmissbrauch zu verbergen. Im Laufe des Stückes wird sie sympathischer und er zweifelhafter. Das Stück bleibt bis zum Schluss exakt auf Messers Schneide. Wer hat recht? Wem glaubt man? Eine Glaubensfrage! Es bleiben Zweifel in alle Richtungen. Klasse.

Mittwoch, 7. Januar 2009

London to Brighton

Typisch britisches Unterschichtkino: hart, ungeschminkt, häßlich und irre spannend. Der Plot ist kurz und einfach: eine Prostituierte und ein Straßenkind auf der Flucht vor ihrem Zuhälter und einem sehr bösartigem und sehr unzufriedenen Kunden. Schließlich werden sie geschnappt.

Tolle schauspielerische Leistungen, dichte, authentische Atmosphäre, gute Schnitttechnik und rafinierte Erzählreihenfolge. Hier kommt Ian-Rankin-Atmosphäre aus den Rebus Romanen rüber.

Und natürlich - natürlich gibt es inmitten all dieser Kälte, Hässlichkeit und Härte Menschlickkeit, Freundschaft, Verantwortung, Hilfe. Natürlich nicht heroisch und mit Pauken und Trompeten a l´americaine, sondern - nun ja - britisch...

Dienstag, 6. Januar 2009

Footsoldier

Wir lesen bei Rebecca Gablé immer wieder über Schlachten im Mittelalter. Im Trailer zu diesem Film nun gehen Hooligans auf eine Weise aufeinander los, die mir geeignet erschien, mir eine solche Schlacht mal plastisch vor Augen führen zu lassen.
Diese Erwartung wurde nicht enttäuscht. Leider hat der Film aber auch kein bischen mehr geleistet. Schauspielerisch schwach, die Story zunehmend zerfallend und nicht wirklich berührend oder spannend. Die Hauptperson altert um dreißig Jahre und lebt in einem Milieu, dass je älter desto mehr von Drogen, Sex, Rumhängen, Waffen, Bandenkriegen und Zerfall geprägt ist.
Irgendwann hatten alle Beteiligten wohl einfach keine Lust mehr weiterzudrehen und hörten unvermittelt auf. Das war gut! Der Film ist Mist!

Donnerstag, 20. März 2008

No country for old men

Der Killer findet die verlorenen Drogenmillionen nicht.
Der glückliche Finder findet keinen sicheren Hafen, in dem er seine Millionen genießen kann.
Der Scheriff findet den Bösewicht nicht.
Der Zuschauer findet den Sinn nicht.
Der weise Rollstuhlcop sagt, so sei die Welt nun mal.

Ist das die ganze Absicht des Films? Gegen Hollywood zu sein? Gegen die üblichen vorhersehbaren, geschlossenen Plots und das ewige Happy-End? Falls ja - das ist gelungen.

Aber gab es sonst vielleicht noch eine Aussage? Irgendwelche versteckten Bedeutungen? Irgendetwas typisch amerikanisches? Keine Ahnung...

Eine Zielgruppe konnte in all dem Blut aber trotzdem etwas Vergnügliches entdecken: Touristen, die mit dem Auto kreuz und quer durch die texanische Provinz gefahren sind. Die Del Rio und den Grenzübergang in Eagle Pass kennengelernt haben. Die, die in Motels gewohnt und in Burgerbuden gegessen haben - die haben alles wiedergefunden - den schäbigen Kippschalter an der Wand, endlose Straßen und Wohnwagensiedlungen im Nirgendwo. Wunderbar.

Liebe Cohen-Brüder: Fargo war weit besser!

Dienstag, 18. März 2008

10.000 B.C.

Merkwürdig, mit welchem Eifer sich die Medien in den letzten Wochen auf diesen Film eingeschossen haben. Ständig wird man darüber aufgeklärt, dass der Film historisch nicht korrekt sei. Mamuts zu jagen sei viel zu gefährlich gewesen.
Hey, was soll der Eifer? Der Film fällt doch ganz offensichtlich in die Kategorie "Abenteuerschinken für Kinder".
Warum hat man nicht gleich noch angemerkt, dass hinter den Alpen nicht sofort der Kongo liegt und die ägyptische Wüste von uns aus gesehen vor dem Kongo - nicht dahinter. Auch kein Wort davon, dass die Pyramiden nicht 10.ooo vor Christus gebaut wurden.

Eins fand ich bei all den mit leichter Hand zusammengewürfelten Abenteueringredenzien glaubwürdig: den kollossalen Eindruck, den eine frühe Hochkultur durch ihren Bevölkerungsreichtum, sozialen Organisationsgrad und technologischen Vorsprung auf einfachere Gesellschaften gemacht haben muss.

Der Abstand zwischen Hochkulturen in diesem Sinne und einfachen Gesellschaften hat sich all die Jahrtausenden erhalten. Wie mag es einem Menschen aus den afghanischen Bergen gehen, der plötzlich nach New York kommt?

Dienstag, 19. Februar 2008

Into the wild


Ja, ja - eine wahre Geschichte. Junger Pubertierender leidet an seinen Eltern. Nach dem Studium verschenkt er Hab und Gut - vor allem sein ganzes Geld - und haut von zuhause ab.
Zwei Jahre trampt er durch die USA, trifft Junge und Alte, Frauen und Männer, Bauern und Hippies, Singels und Pärchen. Alle mögen ihn, alle wollen ihn bei sich behalten. Trotz der persönlichen, sympathischen Begegnungen hält in aber letztlich nichts. Zur inneren Reinigung und Klarheit muss er an sein Ziel: Alaska - into the wild.
Dort angekommen merkt er nach einer kurzen Zeit der Befreiung und Weite, dass ihm die Menschen doch wichtig sind, kann aber wegen des Wetters nicht zurückkehren. Er vergiftet sich am falschen Kraut und stirbt an Entkräftung. Zwei Wochen nach seinem Tod finden ihn zwei Elchjäger in "seinem" ausrangierten Schulbus mitten im Nirgendwo inmitten seiner ergreifenden Tagebücher - . (Das Originalfoto oben fand sich in seiner Kamera und wurde posthum entwickelt.)

Ich glaube, ich habe einfach zu viele Roadmovies gesehen und Entwicklungsromane gelesen, um bei diesem Thema noch wirklich mitzugehen. Obwohl der Film gut und sensibel gemacht ist. Die Authentizität trägt das ihrige zur Wirkung bei.

Ja - er ist sicherlich eine Empfehlung wert...

.

Montag, 10. Dezember 2007

Der Herr der Ringe

"Ein Buch zu verfilmen bedeutet aus einem Ochsen einen Brühwürfel machen."



Auch in diesem Fall trifft das allgemeine Gesetz: wer das Buch kennt,muss vom Film enttäuscht sein. Trotz liebevoller, aufwändiger Bearbeitung ist eine 1:1 Übersetzung unmöglich. Interessant ist in dieser Hinsicht das "Making Of" auf der DVD, in dem die zahlreichen Abweichungen verständlich dargestellt und begründet werden.

Dennoch ist Peter Jackson ein episches Meisterwerk gelungen, das Maßstäbe setzt. Es wird eine Legion von Nachahmern finden. Ich habe ihn schon oft gesehen und werde ihn mir von Zeit zu Zeit wieder anschauen.

Nur schade, dass Menschen, die das Buch nicht kennen, nach dem Film glauben, den Herrn der Ringe zu kennen.

Dienstag, 13. November 2007

We feed the world



Oh, mal wieder ein Film über Nahrungsmittel. Erste Vermutung: er schildert die Verunreinigung von Nahrungsmitteln mit Pestiziden und anderem Dreck. FALSCH.
Zweite Vermutung: er zeigt (wahrscheinlich mal wieder am Beispiel der USA) wie Nahrungsmittellieferungen als politisches Druckmittel gegen schwächere Staaten eingesetzt wird. FALSCH.
Statt dessen wird uns anhand zahlreicher Beispiele die seit Jahrzehnten zunehmende Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion und –verteilung in Erinnerung gerufen. Ein durchgehend langsamer Film, der bis zur Schlussszene an Intensität gewinnt. Einzigartig wird er für mich durch drei Interviewpartner, die schon im Trailer kurz zu Wort kommen. Ein Vertriebschef des Saatgutriesen Monsanto, der gentechnisch manipuliertes Hybridsaatgut persönlich zum Kotzen findet, ihn aber in Rumänien im großen Stil einführt. Dann Jean Ziegler, UNO-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung. Er bringt die gegenwärtige Weltsituation und die Rolle der Welthandelsorganisation WTO auf den Punkt . An moralischer Klarheit lässt er dabei keine Wünsche offen. Als dramatischen Höhepunkt und krönenden Abschluss erleben wir ein Interview mit Peter Brabeck, Konzernschef des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns - Nestlé. Gruselig! Wow.

Sonntag, 11. November 2007

Ratatouille

Die kleine Ratte, die aus der Art schlägt und es nach vielen Schwierigkeiten schafft, sich mit Hilfe ihres Talents gegen ihre Herkunft, ihren Clan, Big Daddy und die Ablehnung der Menschen durchzusetzen und zu ihrer wahren Berufung findet. Meisterkoch!

Die Story ist zwar wirklich gut, die Charaktere überzeugend, das Tempo hoch, die Dialoge stimmig - doch mehr als all das haben mich die unglaublich authentischen (Zeichentrick!!)-Stimmungsbilder Pariser Straßen, Plätze und Wohnungen mit der zugehörigen Musik in ihren Bann gezogen. Eine Liebeserklärung an Frankreich!

Freitag, 14. September 2007

Planet Erde









Das waren die Natur- und Tiefilmklassiker meiner Kindheit. Danach kamen hunderte, wahrscheinlich tausende weniger gute Nachahmer, die ich so lange angeschaut habe, bis ich das ganz Genre komplett leid war.

Nach vielen Jahren der Abstinenz habe ich mit "Planet Erde" den Film entdeckt, der für mich emotional an die alten Zeiten anknüpfen kann. Ein ästhetischer, großer, ruhiger Film. Wer für dieses Genre nicht völlig verloren ist, sollte sich die erste dieser Doppel-DVD nicht entgehen lassen. (Die zweite fällt leider deutlich ab.)

_________________________________________________________________________

"Nach seiner weltweit viel beachteten und mehrfach ausgezeichneten Reihe "Blue Planet", die in der ARD erfolgreich als "Unser blauer Planet" ausgestrahlt wurde, zeigt Alastair Fothergill (BBC) nun die großen Lebensräume der Erde. Die Filme sprengen alle bisherigen Grenzen der Naturdokumentation. Die zeigen unsere Welt, wie sie nie zuvor zu sehen war – von den großen Flüssen und beeindruckenden Schluchten, über mächtige Berge und geheimnisvolle Höhlen, bis hin zu riesigen Wüsten und weiten Feuchtgebieten.
"Wenn unsere Bilder keine Rembrandt-Qualität haben", erläutert BBC-Produzent Huw Cordey, "sollen sie auch nicht Teil unseres Films werden". Ein schönes Motto, doch besondere Bilder kosten besonders viel Geld, und so wurde "Planet Erde" die aufwändigste Tier- und Naturfilm-Produktion aller Zeiten aus dem Hause der BBC.

Fünf Jahre lang wurde gedreht, 16 Millionen Pfund kosteten die elf Filme, 40 Kamerateams fingen mit zum Teil atemberaubender neuer Technik 10.000 Stunden Material an über 200 Schauplätzen ein: Der Weiße Hai in extremer Zeitlupe auf Robbenjagd, Unterwasserbilder von schwimmenden Elefantenherden oder fast schon surreal schöne Tänze von Paradiesvögeln - die Opulenz der ohne digitale Tricktechnik auskommenden BBC-Bilder ist wahrlich atemberaubend. Neue Filmtechniken, unbekanntes Tierverhalten, unbekannte Drehorte.

______________________________________________________________________

Dienstag, 4. September 2007

The Real Life of Angel Deverell

Erzählung des Lebens einer Autorin von Kitschromanen Ende des 19.Jahrhunderts in England. Sie entkommt materiell und geistig ärmlichen Verhältnissen. Als neureiche Starautorin, die den schwülstigen Stil der Zeit perfekt befriedigt, stilisiert sie ihr eigenes Leben zum Kitschroman.


Der Film schildert, wie es dazu kommen konnte und welches Ende es nimmt: Um als phantasiebegabtes Kind die schlimmen Verhältnissen zu ertragen, hat sie sich mit extremer Energie in eine kitsch-romantische Traumwelt hineingesponnen, die sie völlig beherrscht, in der sie alle Rollen innehat. Gerade dies ermöglicht ihr eine Karriere als erfolgreiche Romanautorin, was wiederum dazu beiträgt, dass sie dieser Traumwelt nicht entkommen kann. Sie muss nicht lernen, sich auf andere Menschen einlassen. Durch den Rummel um ihre Person und zahllose Bewunderer wird sie immer nur bestärkt, nie gibt es wesentliche Impulse zum Wachstum, zur Veränderung, zum Erwachsenwerden. Diese soziale Behinderung wird beklemmend in Bilder gesetzt. Das ist die Stärke des Films und der Grund, ihn zu empfehlen.

Wer wird ihr Ehemann? Natürlich der, der ihr als einziger widerspricht. Schön wird herausgearbeitet, wie sich die Beziehung von anfänglich prickelnder Spannung über viele Zwischenstufen bis zur wahrhaft dramatischen Krise auswächst. Am Ende kann nicht einmal der ausbrechende Weltkrieg mit seinen heftigen Erschütterungen und Emotionen bis zu ihr durchdringen. Sie haftet weiter in ihrer kleinen Ich-Welt, kann die Beweggründe, Reaktionen und Gefühle anderer Menschen, kann die Veränderungen um sie herum nicht verstehen und nicht auf sie reagieren. Noch nie hatte ich mit einer so furchtbaren Egozentrikerin so viel Mitleid.
Der Film erinnert an das Leben manch späterer Hollywoodstars, die in goldenen Käfigen ein irreales Leben führten und den Kontakt zur Welt verloren - nur dass Angel den Kontakt als Überlebensstrategie schon als Kind aufgegeben hat.

Deutscher Titel: "Angel - ein Leben wie im Traum" (wie im Alptraum!)

Montag, 27. August 2007

Eine unbequeme Wahrheit

Wenn die Leute sich vom Arzt behandeln lassen, wünschen sie sich den besten Spezialisten. Wenn sie sich ein Haus bauen lassen, bestehen sie auf einen Top-Architekten. Wenn sie vor Gericht ziehen, suchen sie den Star-Anwalt. Die Besten sind immer gerade gut genug!
Wenn es aber darum geht, einen Politiker zu wählen - jemand der das Schicksal des Landes bestimmt und das Wohlergehen von Millionen beeinflusst, soll es bitte schön ein Typ wie Du und ich sein. Einer der so tickt, wie wir, spricht wie wir - jemand der uns verstehen.


Diese unbequeme Wahrheit hat Al Gore erkannt und in seinem Film über die anrollende Klimakatastrophe konsequent genutzt.

Man ist verblüfft über das Alter der vorgetragenen Fakten und die Einfachheit der Darstellung. Jeder, der sich auch nur einigermaßen für Umweltfragen interessiert, wird hier nichts entdecken, was er nicht schon seit 10-20 Jahren kennt.
Wer sich - wie ich - immer gefragt hat, warum sich die Menschen von all den schrecklichen, oft publizierten Fakten der Umweltzerstörung usw. nicht berühren liesen und wenigstens minimale Verhaltensänderungen zeigten, bekommt hier die Antwort:



Sie haben darauf gewartet, dass einer der ihren zu Ihnen kommt, um die nötigen Fakten unterhaltsam zu präsentieren. Er soll persönlich vorbeikommen und die Hand schütteln. Wir möchte in kleinem Kreis bequem im Sessel sitzen und er bringt uns zum Lachen. Natürlich darf er kein Kasper sein, aber auch keinesfalls so streng gucken wie ein Wissenschaftler. Er soll fest im Establishment verankert sein, einen 1a Anzug tragen, konservativ frisiert sein und so reden wir wir: langsam, bildhaft, bodenständig. Im Vortrag muss er möglichst viele private Dinge aus seinem Familienleben einflechten; Kinder, Gartenparty, Schicksalsschläge. Je mehr Anekdoten desto besser. Und hinter jeder Grafik steht ein sympathischer Wissenschaftler, der mit dem Vortragenden persönlich befreundet ist. Zum Event gehört es auch, dass alles wunderschön multimedial aufbereitet ist und der Anstieg der bösen Werte in der Grafik buchstäblich durch die Decke schlägt. Die Werte sind so schlimm hoch, dass der nette Staatsmann von nebenan mit einer Hebebühne bis zur Saaldecke hochfahren muss, um persönlich seinen Finger auf die Linie zu legen.

Ja - so sind wir. Was für eine unbequeme Wahrheit...

Freitag, 24. August 2007

300

"Wanderer, kommst Du nach Sparta, sag Du habest uns hier liegen sehen, wie es das Gesetz befahl..."
Verfilmung des legendären Abwehrkampfes der Griechen gegen die Perser am Engpass der Thermopylen im Jahre 480 v. Chr. Ganz in antiker Manier wurde die Zahl der angreifenden Perser in die Millionen erhöht.
Während die sonstigen Griechen angesichts der Übermacht weichen, halten 300 Spartaner unter König Leonidas der Übermacht stand, bis sie schließlich durch Verrat untergehen. Diese Heldentat gibt den Griechen neuen Mut, so dass sie ein Jahr später - vereinigt - die Perser unter Großkönig Xerxes endgültig zurückschlagen.

Der Film zeigt viele Kampfszenen und wird daher oft mit billigen Hack- und Metzelstreifen gleichgesetzt, für die ich nichts übrig habe.
Mich haben Stil und Bildästhetik beeindruckend. Hier wird ein Mythos verfilmt, eine Parabel, eine Ur-Erzählung. Farben, Kameraeinstellungen, Kostüme, Erzählweise (mit einer Stimme aus dem Off)- alles weist in mythische Ferne. Es geht um Helden, um Archetypen, um Gut und Böse. Der Film schwelgt in oppulenten Bildern. Es ist ein Rausch des Sehens und der stilisierten Ästhetik. Der Film versetzt das Blut in Wallung und treibt einem rote Schleier vor den Augen.

Die gängigen Trailer vermitteln leider nicht das Feeling des Films.