In meiner Schulzeit war ich fassungslos über die deprimierende Wochenendbeschäftigung der Eltern meiner damaligen Freundin. Sie schwangen sich in Auto und fuhren in wechselnde deutsche Städte, "um sich da mal umzusehen" (inklusive Übernachtung und Besichtigungen oder was man sonst so machen kann). Mittlerweile ist genau das zu einer meiner eigenen bevorzugten Wochenendbeschäftigungen geworden und siehe - es ist sehr unterhaltsam. Die Städte sind so unterschiedlich und auch wieder gleich. Es gibt viel zu entdecken und das Unterwegs-Sein an sich ist mir angenehm.

Mit viel Vergnügen habe ich daher Jan Weilers Büchlein "In meinem kleinen Land" gelesen, in dem er viele kurze, extrem subjektive Skizzen deutscher Groß-, Klein- und Kleinststädte aneinanderreiht, in die ihn eine neunmonatigen Lesereise durch Deutschland geführt hat. Keine große Literatur, aber gut beobachtet und kurzweilig. Ein Reisetagbuch über Gelsenkirchen, Brake, Ulm, Hamburg, Fulda, Gilching, Mönchengladbach, Iserlohn und viele viele andere Stätten deutschen Seins.
Doch Achtung: man kann dieses Buch nicht einfach runterlesen. Genausowenig, wie man es nicht aushalten könnte, ständig irgendwelche Orte abzuklappern. Ab und zu mal einen Bonbon - dann schmeckt es.

Gelesen hat er übrigens aus seinem höchstvergnüglichen Buch "Maria, ihm schmeckt´s nicht". Seine Erfahrungen als Deutscher mit der Familie seiner italienischen Ehefrau. Liebevoll und pointiert!
Kultstatus bei meiner Mutter - und das will was heißen!