Im "blinden Uhrmacher" erklärt Dawkins viele scheinbar unplausible Aspekte der Evolutionstheorie, indem er sich mit William Paleys klassischem Argument aus dem 17.Jahrhundert auseinandersetzt: "Wenn jemand eine Uhr auf einer Wiese findet, wird er nicht denken, diese sei zufällig entstanden, sondern kann aus der Uhr, ihrem komplizierten Aufbau und dem perfekten Zusammenspiel all ihrer Teil darauf schließen, dass es einen Uhrmacher geben muss."Ja es gibt ihn, aber es ist nicht Gott, sondern die Natur selbst. Sie ist der "blinde Uhrmacher" - blind deshalb, weil sie keine gezielten Pläne, wie menschliche Ingenieure verfolgt. Durch die Mechanismen von Mutationen und Auslese über geologisch lange Zeiträume hinweg hat sie durch ganz einfache Prinzipien komplexeste Dinge erschaffen und zwar weit komplexer als Paley es sich seinerzeit hat träumen lassen.
Dawkins schriftstellerische Kunst besteht darin, diesen hier so trocken resümierten Sachverhalt, nicht nur verständlich zu machen, sondern uns anhand packender Beispiele in ehrfürchtiges Staunen über die Wunder der Natur zu versetzen.
Über die Evolutionstheorie hatte ich bereits ein recht solides "Allgemeinwissen" und scheute vor Sachbuchlektüre über bereits Bekanntes zurück. Doch das Buch ist unterhaltsam und gut lesbar.
PS: Für meinen Geschmack um zwei bis drei Kapitel zu lang. Da merkt man den systematischen Wissenschaftler, der jeden Gedankengang zu Ende bringt. Aber man muss ja nicht bis zu Ende lesen ;-)